Patrick Tirler https://patricktirler.com/ Fri, 13 Dec 2024 21:16:12 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.1 https://patricktirler.com/wp-content/uploads/2022/10/nggallery_import/cropped-DSC02881-32x32.jpg Patrick Tirler https://patricktirler.com/ 32 32 „Slim Booty“ (7c+) – Tafraout, Marokko https://patricktirler.com/slim-booty-tafraout-marokko https://patricktirler.com/slim-booty-tafraout-marokko#comments Thu, 22 Feb 2024 16:01:53 +0000 https://patricktirler.com/?p=820 Im Februar 2024 besuchten wir, Felix Kiem, Moritz Plattner, Mara Mungenast und Patrick Tirler, Marokko auf der Suche nach schönen Risslinien in den Granitblöcken des Klettergebiets Tafraout. Wir waren sofort von der magischen Landschaft fasziniert und kletterten einige schöne Routen. Nachdem wir Andromeda (7b) am Elephant Rock geklettert waren, fiel unser Blick auf den breiten […]

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Im Februar 2024 besuchten wir, Felix Kiem, Moritz Plattner, Mara Mungenast und Patrick Tirler, Marokko auf der Suche nach schönen Risslinien in den Granitblöcken des Klettergebiets Tafraout. Wir waren sofort von der magischen Landschaft fasziniert und kletterten einige schöne Routen. Nachdem wir Andromeda (7b) am Elephant Rock geklettert waren, fiel unser Blick auf den breiten und furchterregenden Riss daneben, der steil nach links abfällt.


Ein „just for fun“-Projekt, das zunächst unmöglich schien, doch Felix und Moritz schafften es, ihn innerhalb weniger Tage frei (pinkpoint) zu klettern, mit buchstäblich und unvermeidlich viel Blut, Schweiß und Tränen. Wir fanden uns an unerwarteten Stellen, tief in mannsbreiten Rissen, mit Händen, Schultern und Hintern völlig eingeklemmt. Unnatürliche Positionen erforderten Kreativität und Mut zu neuen Dimensionen. Um in die Tiefe der Kluft zu gelangen, musste man die Luft anhalten und den Hintern einziehen. Weitere wichtige Punkte, die man sich merken sollte, um nicht stecken zu bleiben: den Chalkbag vor dem Start auf die linke Seite legen, da man ihn sonst nicht erreichen kann; den Helm zurücklassen, damit man später den Kopf drehen kann; der Rest ist unbeschreiblich und muss erlebt werden

Warnung! Diese Route ist nichts für Klaustrophobiker!
Ansonsten ist „Slim Booty“ (7c+) sehr zu empfehlen!

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„NELIM LAM“ – Die Bergkristall Route https://patricktirler.com/nelim-lam-die-bergkristall-route https://patricktirler.com/nelim-lam-die-bergkristall-route#comments Fri, 21 Jul 2023 18:32:30 +0000 https://patricktirler.com/?p=669 Mit Moritz Sigmund – 21/07/2023 Die Geschichte einer sehr besonderen Erstbegehung am Jamyang Ri (5800m) in Rangtik Tokpo in Ladakh (Indien). Mit vollem Stolz bezeichnen wir diese grandiose Linie als unseren bisher schönsten Erfolg. Seit zwei Wochen befinden Moritz Sigmund, Elisabeth Lardschneider, Markus Ranalter, Stefan Plank, Hannes Niederwolfsgruber, Hannes Sullmann und ich uns nun schon […]

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Mit Moritz Sigmund21/07/2023

Die Geschichte einer sehr besonderen Erstbegehung am Jamyang Ri (5800m) in Rangtik Tokpo in Ladakh (Indien). Mit vollem Stolz bezeichnen wir diese grandiose Linie als unseren bisher schönsten Erfolg.

Seit zwei Wochen befinden Moritz Sigmund, Elisabeth Lardschneider, Markus Ranalter, Stefan Plank, Hannes Niederwolfsgruber, Hannes Sullmann und ich uns nun schon im Rangtik Topko, einem abgelegenen Seitental des Zanskar Tals in der Region Ladakh im indischen Himalaya. Auf einer Höhe von 4900 Meter haben wir unsere Zelte aufgebaut und zusammen mit unseren drei, aus dem nahegelegenen Bergdorf Tungri stammenden Freunden, die uns mit größter Freude kulinarisch verpflegen, ein Basislager errichtet. Das Tal ist umrandet von gewaltigen Granitwänden, die innerhalb von einer bis drei Gehstunden vom Basislager erreichbar sind und das eigentliche Ziel unserer Reise darstellen.

Die einwöchige Anreise hat mich, dank sehr berührender Einblicke in die buddhistische Kultur und in die einfachen Lebensweisen der Einheimischen, so tief beeindruckt, dass ich keine alpinistischen Leistungen mehr von mir erwarte, um die insgesamt fünfwöchige Expedition als Erfolg bezeichnen zu können. Ich genieße die Zeit zwischen den Kletteraktionen im Basislager, die wir völlig abgeschirmt von der Außenwelt mit Gesellschaftsspielen, Lesen, Schreiben, Malen oder einfach nur Nachdenken verbringen.

Unser erster Erstbegehungsversuch durch den zentralen Wandteil auf dem Vorgipfel des Jamyang Ri ist gescheitert. Zu sehr hat sich die Wand gewehrt. Der Jamyang Ri befindet sich unmittelbar hinter dem Basislager und seine steilen Granitwände sind bis in das besiedelte Tal sichtbar. Besonders der obere Teil des Hauptgipfels reflektiert das Sonnenlicht auf wunderschöne Weise und fasziniert uns schon seit unserer Ankunft in Tungri. Der Gipfel ähnelt einem Bergkristall, mit glatt geschliffenen Seiten und klar erkennbaren Kanten, die zu verschiedenen Tageszeiten den Licht/Schattenwechsel markieren. Einer dieser markanten Kanten zeigt direkt ins Tal und zieht somit jeden Morgen, sobald wir im Basislager aus den Zelten kriechen, unsere Blicke auf sich.

Da wir unseren ursprünglichen Plan, genau diese Kante durch die zentrale Wand des Vorgipfels zu erreichen, aufgeben mussten, entscheiden wir uns für den Kanal, der sich zwischen Haupt- und Vorgipfel bildet und bis zum Wandfuß reicht. Moritz und ich starten um 4 Uhr morgens vom Basislager aus, mit auf das Notwendigste reduzierte Material und einer guten Mischung aus Motivation, Hoffnung und Zuversicht.

Der Jamyang Ri mit dem vorgelagerten Vorgipfel.

Die ersten vier Seillängen klettern wir gleich oder ähnlich wie die Slowenen im Jahr 2016, die dann nach rechts über ein großes Felsband querten und als erste Seilschaft den Gipfel erreichten. Etwas Schnee im Kanal durchnässt unsere Kletterschuhe, da wir die Bergschuhe und Steigeisen am Einstieg gelassen haben, um Gewicht zu sparen. Ansonsten kommen wir schnell voran. Die Hauptschwierigkeit des Vorsteigers besteht darin, keine losen Blöcke loszutreten, die den Nachsteiger treffen könnten. Die leichte Kletterei bis zum sechsten Grad, die teils lose Art des Gesteins, der Schnee und das Fehlen jeglicher menschlichen Spuren bremsen uns keineswegs ein, sondern befeuern unseren Antrieb mit dem klaren Ziel vor Augen. Um 11:00 Uhr erreichen wir die Höhe des Vorgipfels auf etwa 5600 Meter, nach ungefähr 400 Klettermeter und 10 Seillängen, mindestens sechs davon auf bisher unberührten Felsen.

Mit geradem Blick ins Basislager und ins Tal sitzen wir nun dort und können es nicht erwarten zu erfahren, ob diese überaus gewagte Linie möglich ist. Mit dem Fernglas haben wir bereits in den Tagen zuvor einige Risse erkennen können. Doch ein genaues Studieren und Diskutieren der Linie haben wir stets vermieden, aus Angst davor, dass uns unsere Vernunft die Unmöglichkeit der Linie prognostiziert und uns von einem Versuch abrät.

Die erste Seillänge führt uns direkt auf die Kante des Bergkristalls und in einen Riss, den wir bereits vom Basislager aus sehen konnten. Dass sich dieser Riss als einer der schönsten alpinen Risse, die wir je geklettert sind, herausstellt, hätten wir uns in unseren besten Träumen nicht vorstellen können. Ganze zwei Seillängen können wir dieses Glück genießen.

Die Frage, ob unsere Route in einer Sackgasse enden wird, scheint sich zu nähern. Kurz bevor der Riss in eine blanke Platte ausläuft, quert Moritz zwei Meter nach rechts, genau auf die Kante, und platziert dort einem Friend hinter einer schmalen Schuppe. Einen Kletterversuch gerade nach oben muss er nach wenigen Metern abbrechen, weil weit und breit keine Sicherungsmöglichkeit in Sicht ist. Zurück beim Friend erwägt er einen Wechsel auf die andere Seite des Bergkristalls über eine Quertraverse auf schmalen Leisten, nach dem er gute Griffe vermutet. Nach kurzem Zögern verschwindet er aus meinem Blickfeld. Langsam, aber konstant, läuft das Seil durch das Sicherungsgerät. Ab und zu höre ich sein Atmen durch den Wind. Auf meine Rufe reagiert er nicht. Ich werde etwas beunruhigt, doch ich ahne bei Weitem nicht, in welchem mentalen Kampf sich mein langjährigen Kletterpartner gerade befindet. Nach etwa zehn Minuten höre ich eine kraftlose Stimme: „Das war zu viel für meinen Kopf“. Die Bedeutung dieser Aussage wird mir erst bewusst, als ich im Nachstieg an der Kante bei dem Friend stehe. Ich sehe Moritz auf gleicher Höhe in einer senkrechten Wand in einem Hängestand auf zwei Keilen und zwei Friends hängen. Etwa sieben Meter von mir entfernt. Keine Sicherung dazwischen. Ich sehe seine Magnesiumspuren auf kleinen abschüssigen Griffen und zu meinem Erschrecken überhaupt keine Tritte. „Die ersten Züge musste ich hangeln, dann konnte ich einige Reibungstritte ansteigen“, sagt er mir. Da wo er gute Griffe vermutete, waren keine, und ein Zurückklettern war für ihn nicht mehr möglich. Mit dem beunruhigenden Wissen, welche Leistungen Moritz an den Felsen bringen kann, klettere ich los und stecke eine Kraft in meinen Fingern, dich ich wohl in kaum einer Sportkletteroute je zuvor hervorrufen konnte. Ein drohender Pendelsturz direkt in den Stand kann unglaubliche Kräfte beschwören.

Die Traverse mit dem abschüssigen Leistenband.

Nach diesen sehr intensiven Klettermetern komme ich, vollgepumpt mit Adrenalin, am Stand an.  Ein Schuldgefühl gegenüber den potentiellen Wiederholern unserer Route überkommt uns. „Die werden uns hassen!“. Doch Cliff haben wir keinen dabei und der Handbohrer mit den zwei Bohrhaken ist nur für einen erzwungenen Rückzug gedacht. Doch dafür hebt ein Blick in die Wand über uns, die sich inzwischen in der Nachmittagssonne Orange färbt, unsere Zuversicht, dass wir es doch noch auf den Gipfel schaffen könnten.

Für zwei Seillängen folgen wir einem dünnen Haarriss, den wir mit Keilen und kleinen Friends absichern. Die Kletterei ist absolut genial. Regelmäßig müssen wir unsere aufgeblasenen Arme an den Zwischensicherungen entlasten. Doch wir sind uns einig, dass wir uns gerade in den schönsten alpinen Seillängen befinden, die wir je gesehen haben. Der lokale Regenschauer, der sich plötzlich unweit von uns über dem Chanrasrik Ri entlädt, beunruhigt uns zwar extrem, doch unsere sprühende Motivation scheint den Regen von uns fernzuhalten.

Nach einer weiteren Seillänge bemerken wir mit großer Freude, dass unsere Freunde Lisi und Makke unter uns den Vorgipfel des Jamyang Ri erreicht haben und somit ihre siebentägige Erstbegehung vollendet haben. Ich habe sie vor einigen Tagen begleitet und ihnen beim Haulen und Aufstellen des Portaledge geholfen. Deshalb weiß ich nur zu gut, welche grandiose alpinistische Leistung sie da vollbracht haben.

Elisabeth Lardschneider und Markus Ranalter auf dem Vorgipfel des Jamyang Ri nach Vollendung ihrer gewaltigen Erstbegehung durch die steile Nordwestwand.

Bei uns hat sich allerdings das nächste Fragezeichen vor uns aufgebaut, denn ein großes Dach blockiert den Weiterweg nach oben. Auf einem Foto, dass wir auf meiner Kamera finden, entdecken wir einen möglichen Riss etwas rechts von uns. Ich seile Moritz fünf Meter ab und er pendelt zum erhofften Riss. Der dunkle Streifen auf dem Foto erweist sich tatsächlich als kletterbare Schuppe und Moritz stößt einen Jubelschrei aus, da das folgende Risssystem auf dem Gipfel zu führen scheint.

Die Pendeltraverse.

In den nächsten Seillängen zieht ein weiterer Regenschauer auf. Doch Buddha scheint es heute gut mit uns zu meinen und verschont uns erneut bis auf einige einzelne Tropfen. Ich hole meine letzten Kräfte aus mir heraus und renne gefühlt dem Gipfel entgegen. Meine Lungen arbeiten auf Hochtouren, um den niedrigen Sauerstoffgehalt der Luft auszugleichen. Sobald ich den Gipfel erreiche, kann ich nur mit Mühe meine Tränen zurückhalten. Unser erster Gipfel dieser Reise. Noch dazu eine Erstbegehung, deren Erfolg wir uns kaum erwartet hätten, und eine Linie, die uns im ganzen Tal am meisten inspiriert hatte. Nur zwei Schlaghaken haben wir benötigt und keinen einzigen Bohrhaken. Als wäre das nicht genug, befeuert uns die Aussicht auf die umliegenden Gletscher und Berge mit unglaublichen Impressionen.

Ungeachtet all der Gipfelemotionen sind wir uns jedoch bewusst, dass wir uns als wahrscheinlich dritte Seilschaft an diesem Punkt auf 5800 Meter befinden und uns noch ein langer Abstieg bevorsteht. Mit nur spärlichen Informationen über die Abseilpiste der Slowenen machen wir uns auf dem Weg ins Basislager. Nach drei komplett senkrechten Abseilern hängen wir mitten in der Wand und finden den nächsten Abseilpunkt nicht. Wir sind gezwungen, die letzten Kräfte aus den ermüdeten Armen hervorzurufen und mit Hammer und Handbohrer einen Bohrhaken zu bohren. Nach dieser mühsamen und nervigen Arbeit finden wir wieder die Schlingen der Slowenen. Nach zwei weiteren Abseilern wird es dunkel und wir verlieren uns erneut. Per Funk informieren wir unsere Freunde, dass es noch etwas länger dauern könnte. Glücklicherweise finden wir nach jedem Abseiler genügend natürliche Felsstrukturen, die uns ein weiteres Abseilen ermöglichen. 18 Stunden nach Aufbruch erreichen wir das Basislager. Müde und erschöpft, aber unendlich glücklich.

Unsere einheimischen Freunde haben uns den ganzen Tag mit dem Fernglas beobachtet und mit uns mitgefiebert. Yeshi, der noch vor unserer Rückkehr zurück ins Dorf aufbricht, trägt die Nachricht von unserem Erfolg ins Tal und wir spüren die Euphorie, die sich um uns ausbreitet. Seit unserer Ankunft erleben wir unglaubliche Glücksgefühle und Zufriedenheit, vermischt mit einer Riesenfreude für jedes noch so kleines Ereignis. Die Menschen in Tungri leben uns vor, wie ein glückliches Leben ausschauen kann und zeigen uns, wie dankbar wir für unser Leben sein müssen. Der Bergkristall wird uns wohl für immer daran erinnern, dass man die wirklich wertvollen Schätze nur in seinen Erinnerungen aufbewahren kann.

Patrick Tirler – 23/07/2023 – Basecamp Rangtik Tokpo

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Jamyang Ri – Rangtik Tokpo (Indien) https://patricktirler.com/jamyang-ri-rangtik-tokpo-indien https://patricktirler.com/jamyang-ri-rangtik-tokpo-indien#respond Sat, 15 Jul 2023 16:52:08 +0000 https://patricktirler.com/?p=598 Ein gescheiterter Erstbegehungsversuch an der damals noch unbestiegenen Wand auf dem Vorgipfel des Jamyang Ri (5600m) in dem „Rangtik Tokpo“ Tal in der indischen Region Ladakh. 11 – 15.07.2023 Mit Moritz Sigmund Hoffnung gegen Erwartung! Bilder der prominenten Granitwände des Jamyang Ri (5800m) und Chanrasrik Ri (6085m) haben uns nach Ladakh ins Rangtik Tokpo Tal […]

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Ein gescheiterter Erstbegehungsversuch an der damals noch unbestiegenen Wand auf dem Vorgipfel des Jamyang Ri (5600m) in dem „Rangtik Tokpo“ Tal in der indischen Region Ladakh.

11 – 15.07.2023

Mit Moritz Sigmund

Hoffnung gegen Erwartung!

Bilder der prominenten Granitwände des Jamyang Ri (5800m) und Chanrasrik Ri (6085m) haben uns nach Ladakh ins Rangtik Tokpo Tal in Indien gelockt. Umgeben von mehreren 6000 Meter hohen Gipfeln strahlen diese zwei besonders auffallenden Wände durch ihre Steilheit eine beeindruckende Macht aus. Nur eine Handvoll Kletterexpeditionen haben dieses wunderschöne Tal für sich entdeckt und daher sind noch beide Wände unbestiegen. Die sieben erschlossenen Kletterrouten des Tals folgen den einfachsten Linien auf den Gipfeln der Berge und berühren nicht ansatzweise das gewaltige Kletterpotential auf bestem Granit.

Die Anreise führt uns von der Hochgebirgsstadt „Leh“, über zwei Pässe auf nicht ganz 5000m in das kleine, abgeschiedene Bergdorf „Tungri“. Die etwa 200 Einwohner empfangen uns mit einer herzlichen Einladung zum Essen, Trinken und Tanzen auf einer Hochzeit und wir können uns eine freundschaftlichere Aufnahme kaum vorstellen. Nach einigen Tagen in Tungri, die sich wie ein Traum auf einem anderen Planeten anfühlen, begleiten uns 23 gut gelaunte Träger auf den sechsstündigen Fußmarsch in das Seitental, wo wir auf 4900m Meereshöhe unser Basislager errichten. Unsere drei einheimischen Freunde „Lobzang“, „Lobzang“ und „Sonam“ werden uns die nächsten drei Wochen Gesellschaft leisten und uns mit leckerer einheimischer Kulinarik vom Feinsten versorgen.

Gleich an den ersten zwei Tagen legt uns ein ungewöhnliches Wetterphänomen einen halben Meter Schnee vor die Zeltwände und wir sind gezwungen, uns an die unerwarteten Bedingungen anzupassen. Glücklicherweise bleibt die Nordwestwand des Jamyang Ri aufgrund ihrer Steilheit gänzlich vom Schneefall verschont und Moritz und ich können unser erstes Ziel in Angriff nehmen. Eine riesige Verschneidung geschmückt mit mehreren Rissen, ziert das obere Drittel der Wand und steht für den Inbegriff einer „Kingline“ durch die etwa 500m hohe jungfräuliche Wand. Das mittlere Drittel besteht aus blanken, überhängenden Platten, durch denen wir uns nur mit viel Optimismus und Spekulation eine kletterbare Linie von Felsschuppe zu Felsschuppe erhoffen können. Das untere Drittel ist wieder gut strukturiert und wir schätzen den Zeitaufwand für diesen Teil auf einen Tag. Wie üblich, auf den großen Bergen des Himalayas, sollten wir uns wieder einmal gehörig verschätzen.

Am 11. Tag der Reise können wir endlich zum ersten Klettertag aufbrechen und uns gelingen an diesem Tag die ersten drei der vermeintlich leichten Einstiegsseillängen. Der Fels ist kompakt und steil und verlangt uns klettertechnisch und moralisch alles ab. Wir kommen nur halb so weit wie geplant und können nach den drei Seillängen im 8ten und 9ten Schwierigkeitsgrad nur erahnen, was uns auf der restlichen Route erwarten wird. Total erschöpft seilen wir ab und kehren ins Basislager zurück, wo uns bereits ein Dreigängemenü erwartet.

Am nächsten Tag ziehen wir uns an den fixierten Seilen hoch und erreichen schnell den Umkehrpunkt vom Vortag. Ich habe leichte Kopfschmerzen und fühle mich überhaupt nicht erholt. Daher begnüge ich mich an diesem Tag mit einer achtstündigen Sicherungseinheit. Zum Glück ist Moritz fit und motiviert. Der Riss, dem wir folgen, ist leicht überhängend und wäre ein Traum für jeden Kletterer. Doch an Freiklettern ist im Moment leider nicht zu denken. Den Schwierigkeitsgrad schätzen wir zwischen 8a und 8b, was unsere Linie schon in den vermeintlich einfachen Anfangslängen zu einem der weltweit schwierigsten alpinen Freikletterproblemen auf dieser Meereshöhe machen würde.

Meter für Meter arbeitet sich Moritz technisch mithilfe einer sehr kreativen Verwendung von Friends, Keilen, Ballnuts und Messerhaken nach oben. Ich befreie im Nachstieg den Riss von losen Schuppen und versuche die Freikletterzüge zu erfühlen. Der Zeitaufwand für jede Seillänge ist enorm und wir schaffen an diesem Tag nur zwei Seillängen. In was für ein gewaltiges Projekt sind wir hier geraten, denke ich mir. Uns ist inzwischen klar, dass wir die restlichen drei Wochen für die Fertigstellung dieser Route benötigen werden und nicht, wie anfangs gedacht, nur drei Tage.

Nach einem erholsamen Pausetag im Basislager haben wir unser Portaledge, sowie Wasser und Essen für drei Tage im Gepäck, um uns den täglichen Auf- und Abstieg ins Basislager zu ersparen. An diesem Tag gelingt uns Seillänge 6, ein wunderschöner Riss, der wohl in jedem Klettergarten ein Klassiker wäre. Nach dieser Seillänge erreichen wir den Punkt, welcher das logische Ende des ersten Drittels der Wand markiert. Dort hängen wir unser Portaledge mit dem Überzelt auf und gönnen uns eine Pause mit Chapati (Fladenbrot), Sottilette und illegal importierten Kaminwurzen. Das große Fragezeichen unserer Linie steht nun bevor und wir hoffen inständig darauf, dass die so genialen ersten sechs Seillängen nicht in einer Sackgasse enden müssen.

Schon beim Vorsteigen der letzten Seillänge erhaschte ich einige Blicke in die Wand, die sich über uns auftürmt. Die Wand ist steil und erschreckend blank. Die wenigen Risse sind oft geschlossen und teils mit losen Felsschuppen umrundet. Ich bekam sofort das Gefühl, dass sich meine realistischen Erwartungen gegen meine optimistischen Hoffnungen durchsetzen könnten. Etwa 100 Meter über uns können wir die große Verschneidung mit den erlösenden Rissen sehen, doch der Weg dahin wirkt unendlich weit und hart.

Die kleine offene Verschneidung, die direkt an unserem Standplatz beginnt und weiter oben in einer unerkennbaren Mischung aus glatten Platten, dünnen Felsschuppen und einzelnen Rissen mündet, soll den Einstieg in das zweite Drittel der Wand bilden. Moritz ist nach wie vor optimistisch und bekräftigt mehrmals seinen Glauben, dass wir genügend Risse zum Absichern finden werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass er durch bloßes Ignorieren sämtlicher Hindernisse doch noch eine Lösung findet. Ich hoffe auf einen unerwarteten Durchbruch und lasse Moritz vorsteigen.

Als erste Sicherung schlägt Moritz mit dem Hammer einen kleinen Keil zwischen zwei hohle Schuppen in der Verschneidung. Etwas darüber platziert er einen winzigen Friend. Als er daran zieht, bewegen sich beide Seiten des Risses. Erschrocken und mit der Angst eines bevorstehenden Sturzes ins Gesicht geschrieben, lässt er ihn unberührt hängen. Etwas eingeschüchtert, aber trotzdem mit konzentrierter Miene, steigt er mit vollem Gewicht in die Trittleiter, die an einem weiteren Microkeil hängt, und richtet sich auf. Langsam nimmt er einen Haken vom Gurt, steckt ihn in eine schmale Felsritze und setzt zum Hammerschlag an. Zack! Der ganze Fels vibriert, die Keile brechen aus und Moritz fliegt mit einem Fuß in der Trittleiter am Portaledge vorbei.

Der Sturz war ungemütlich, irgendwie erwartet, aber doch überraschend. Nach einer kurzen Pause versucht Moritz es erneut über einen Riss außerhalb der Verschneidung. Der erste Messerhaken scheint zu halten. Beim Schlagen eines zweiten Hakens einen Meter darüber rutscht der erste Haken einige Zentimeter aus dem Riss heraus. Mit seiner ganzen Fingerkraft krallt er sich an irgendwelchen Felsleisten fest und verhindert einen krachenden Sturz gerade ins Portaledge.

Demoralisiert sitzen wir im Portaledge. Zum Handbohrer wollen wir nicht greifen, denn die Wand nach den ersten Metern sieht nicht viel einfacher aus und wenn wir jetzt schon einen Bohrhaken brauchen, würden noch viele folgen. Eine mühsame Arbeit, die wohl mehrere Tage in Anspruch nehmen würde und auf der wir überhaupt keine Lust haben. Die vier Bohrhaken in den ersten sechs Seillängen, die jeweils 20 Minuten vollste Kraftanstrengungen erforderten, haben uns schon gereicht. Langsam realisieren wir, dass die Wand gewonnen hat. Wir gestehen uns die Niederlage ein und entscheiden uns die Route aufzugeben.

Etwas traurig genießen wir die Sonnenuntergangsstimmung auf unserem Portaledge, hoch oben über dem schneebedeckten Gletscher und umringt von all den 6000ern. Obwohl wir noch genügend Tageslicht fürs Abseilen übrighätten, nutzen wir die einzigartige Gelegenheit, um eine Nacht in dieser besonderen Umgebung zu verbringen und seilen erst am nächsten Tag ab. Der kleine rote Friend, der etwa 4 Meter über unserem höchsten Standplatz hängt, bleibt gezwungenermaßen zurück und symbolisiert unseren Willen, die Tour auf unserer Art und Weise zu vollenden. Die nächsten, die diesen Punkt erreichen, haben ihn sich verdient und können unsere volle Unterstützung auf ihrer Seite wissen. Der Wert dieser genialen Kletterlinie für die Alpingemeinschaft übersteigt den Wert des verlorenen Friend bei Weitem und wir können nur hoffen, dass irgendwann jemand die Fähigkeiten besitzt, die Route zu vollenden.

Geschrieben am 16/07/2023 im Basecamp Rangtik Tokpo

Patrick Tirler

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AVS Alpiner Förderpreis 2023 https://patricktirler.com/avs-alpiner-foerderpreis-2023 https://patricktirler.com/avs-alpiner-foerderpreis-2023#respond Mon, 08 May 2023 14:28:12 +0000 https://patricktirler.com/?p=533 Die Laudatio von Hanspeter Eisendle zur Verleihung des Alpinen Förderpreis 2023 am 06.05.2023 an Moritz Sigmund und mir im Vinzentinum in Brixen. Lieber Patrick, Lieber Moritz, wenn ihr am heutigen Tag im Schaufenster des Südtiroler Alpenvereins steht, dann hat das auch etwas mit Alchemie zu tun. Alchemie war im Mittelalter der Versuch aus unedlen Metallen […]

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Die Laudatio von Hanspeter Eisendle zur Verleihung des Alpinen Förderpreis 2023 am 06.05.2023 an Moritz Sigmund und mir im Vinzentinum in Brixen.

Lieber Patrick, Lieber Moritz,

wenn ihr am heutigen Tag im Schaufenster des Südtiroler Alpenvereins steht, dann hat das auch etwas mit Alchemie zu tun. Alchemie war im Mittelalter der Versuch aus unedlen Metallen edle zu machen, im besten Falle Gold.
Auf Felsen oder auf Berge zu klettern ist an und für sich eine ziemlich banale Tätigkeit und wird gleich von mehreren Tierarten unerreichbar besser beherrscht als von uns Menschen, auch wenn meine Beobachtungen von euch beiden in der Kletterhalle Zweifel an dieser Tatsache aufkommen ließen.

Die wichtigsten Substanzen in der Alchemie menschlichen Kletterns sind neben dem Können die Angst, die Zweifel und das Gefühl des ausgesetzt Seins. Nur jene Kletterer, die es verstehen durch spartanischen Materialeinsatz diesen zutiefst menschlichen Gefühlen großen Platz einzuräumen, machen aus der Banalität des Kletterns wichtige menschliche Erfahrungen und aus dem Klettern eine Kunst.

Beim Durchstöbern eurer beider Tourenberichte bin ich nicht nur auf eine beeindruckende Liste schwierigster Sportklettereien und hochwertiger Alpinrouten gestoßen, sondern auch auf die Namen anderer Kletterpartner und Klettererinnen, die mit euch zusammen das Who`s Who der neuen Südtiroler Alpinkletterszene darstellen: Alex Walpoth, Elisabeth Lardschneider, Moritz Plattner, Martin Dejori, Titus Prinoth, unvergessen Alex Pfattner aus Klausen…. um nur einige wenige zu nennen. Auch eine eurer früheren Trainerinnen, Alexandra Ladurner habe ich in sehr ernsthaften Alpinrouten wahrgenommen. Man kann also objektiv feststellen, dass die junge Elite von Alpin- und Abenteuer-Kletter/Innen ursprünglich fast zu 100% aus der Südtiroler Wettkampfszene kommt.

Und genau an dieser Stelle ist es notwendig eine große persönliche Fehleinschätzung aus dem Jahr 1999 zu benennen und zurückzunehmen. In diesem Jahr wurde nämlich, federführend durch Andi Sanin, Lukas Goller und Karlheinz Messner im Alpenverein ein Sportverein (ASK) gegründet. Meine Befürchtung war damals, dass das hipe urbane, abgesicherte und reglementierte Klettern die Kultur des alpinistischen Abenteuerkletterns total verdrängen würde und dass zukünftig die mit Bohrhaken abgesicherte Route wie selbstverständlich ins Gebirge übertragen würde. Ich hatte auch triftige Gründe für diese Annhame. Als die schwierigsten Alpenrouten galten in den 90er Jahren „Silbergeier“ von Beat Kammerlander, „des Kaisers neue Kleider“ von Stefan Glowacz und „End of silence“ der Huber-Brüder, alle drei 1994 im damaligen High-End-Schwierigkeitsbereich erstbegangen, zweifellos große Kunstwerke ihrer Zeit, aber ausschließlich mit Bohrhaken abgesichert, während beispielsweise die vogelwilden Dolomitenrouten eines Adam Holzknecht und eines Roland Mittersteiner nur von Insidern wahrgenommen wurden. Die sogenannte „Trilogie“, so wurden die drei Routen medienwirksam genannt, hatte schon in Vor-Instagram-Zeiten Influencer-Wert. Daraus zu schließen, dass sich in Zukunft auch Kletterrouten niedriger Schwierigkeitsgarde, vor allem aber die alpinen Klassiker, mit vorgefertigter Infrastruktur durchsetzen könnten, war also nicht ganz abwegig.

Aber ihr beide, lieber Moritz und lieber Patrick, seid zusammen mit euresgleichen der lebendigste Beiweis dafür, dass ich mit meiner Befürchtung total falsch lag. Das Gegenteil ist der Fall! Der Stil eurer Erstbegehungen und Wiederholungen bedeutender Klassiker ist Ausdruck dafür, dass jede Generation ihren Alpinismus neu erfinden kann, wenn sie bereit ist, den wichtigsten Bestandteil des Abenteuers zu erhalten!

Der wichtigste Bestandteil ist nämlich das menschliche Gefühl des ausgesetzt Seins.
Bei unserem Spiel, dem Bergsteigen, gibt es drei Räder, die wir nach oben und nach unten drehen können.
Das 1. Rad ist der reine Schwierigkeitsgrad (10 ist schwieriger als 3),
das 2. Rad ist die Meereshöhe (auf 4000 oder 8000 ist alles schwieriger als auf 2000) und
das 3. und allerwichtigste Rad ist die Exposition (die Fähigkeit, sich ungefiltert den Bedingungen einer Wand oder eines Berges auszusetzen).

Diese Fähigkeit kann man am längsten für sich erhalten, – das kann ich euch als ein in die Jahre gekommener Wilder sagen. Beim Steigern der persönlichen Schwierigkeitsgrenze ist am schnellsten Schluss, die große Meereshöhe ist aus medizinisch-physiologischen Gründen ab einem gewissen Alter sehr gefährlich, – für jeden menschlichen Körper zu gefährlich. Was bleibt, – was lange bleibt, ist die Exposition!

Wer bespielsweise allein durch irgendeine Wand steigt, in der niemand anderer ist und wobei weder vorher noch nacher jemand davon weiß, der oder die kostet genau das aus, was ich Exposition nenne. Dabei ist ausschließlich das eigene Können das Maß der Dinge. Diese Fähigkeit wird euch am längsten bleiben, wenn ihr den Bergen weiterhin mit derselben Haltung begegnet, die euch auf eurem bisherigen Weg zugewachsen ist.

Bis dahin habt ihr noch viel Zeit!
Bleibt mir, euch für eure Zukunft immer sichere Standplätze zu wünschen und zwischen diesen Standplätzen viel von jenem alchemistischen Zauber, der eure Lebenszeit veredeln wird.

Herzlichen Glückwunsch zum Anerkennungspreis des AVS und besten Dank für eure aktiven Beiträge zur alpinistischen Kultur!

Hanspeter Eisendle

Foto: Alpenverein Südtirol

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„Die Schwarze Träne“ (VII) Schlern https://patricktirler.com/die-schwarze-traene-vii-schlern-ostwand https://patricktirler.com/die-schwarze-traene-vii-schlern-ostwand#respond Sun, 11 Sep 2022 11:39:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=459 Schlern Ostwand – am 11.09.2022 – mit Florian Gufler Ein wunderschöner Tag. Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu und die Ruhe des Herbsts breitet sich über das Schlerngebiet. Es ist nun schon einige Jahre her, dass ich meine Route „Attacke“ auf dem Mumelterkopf vollendet habe. Damals ist mir in der Ostwand des Schlerns […]

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Schlern Ostwand – am 11.09.2022 – mit Florian Gufler

Ein wunderschöner Tag. Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu und die Ruhe des Herbsts breitet sich über das Schlerngebiet. Es ist nun schon einige Jahre her, dass ich meine Route „Attacke“ auf dem Mumelterkopf vollendet habe. Damals ist mir in der Ostwand des Schlerns eine Linie aufgefallen, die ich im Hinterkopf behalten habe. Auf der Frage von Flo, was wir an diesen Sonntag machen könnten, schlug ich ihm eine Erstbegehung am Schlern vor. Ohne weiter nachzufragen, sagte er zu.

Ich habe kein genaues Wandbild mehr und kann mich nicht mehr gut an die Linie erinnern. Doch ich bin mir sicher, dass mein jugendliches Auge damals eine mögliche Linie entdeckte und vertraue darauf. Ohne große Erwartungen treffen wir uns um 7 Uhr beim Parkplatz. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen und es gibt viel zu erzählen. Der Zustieg vergeht wie im Flug, ohne dass wir uns überhaupt große Gedanken machen, was wir heute machen. Nach dem Stahlseil des Gamssteigs zweigen wir nach rechts auf die Scharte und die gesamte Ostwand des Schlerns türmt sich vor uns auf. Meine Idee von damals befindet sich viel weiter rechts als gedacht und dazwischen liegt ein dichtes Latschenfeld. Da wollen wir auf keinen Fall durch. Doch zu unseren Freuden ist am Schlern noch jede Menge Spielraum für neue Routen und wir sind flexibel.

Die Ostwand des Schlerns

In den letzten Jahren habe ich viele Routen in den Dolomiten wiederholt und die Anziehungskraft des Unbekannten ist dabei konstant gestiegen. Spätestens nach der Expedition nach Kirgistan hasse ich es auf einem Topo nachzuschauen, wohin ich klettern muss. Am liebsten verlasse ich mich auf meinem Gefühl und auf Erstbegehungen hat man gar keine andere Wahl. Ich freue mich auf das Abenteuer und erwarte mir keinen Erfolg. So entscheiden wir uns für einen markanten Riss rechts vom Präsidentenband und queren höchst motiviert die letzten Meter zum Einstieg. Dort hängen wir uns einige Haken und Friends an den Gurt und klettern los.

Flo führt die erste Länge ohne Probleme. Ich stürze mich sofort in die nächste. Der Fels ist von bester Qualität und der Riss lässt sich perfekt absichern. Die Sonne scheint uns auf den Rücken und das Klettern macht Spaß. Am dritten Standplatz zögert Flo beim Standplatzbau und ich erkläre ihm lachend, dass er so viele Nägel schlagen kann, wie es braucht. Ich bin nicht bereit auf Sicherheit zu verzichten, um Material zu sparen. Sehr wohl aber sehe ich keine Notwendigkeit für eine fixe Sicherung, wenn man daneben einen guten Friend oder Keil platzieren kann. Die Herausforderung der Route soll sein, mit offenen Augen zu klettern und die natürlichen Sicherungsmöglichkeiten zu nutzen.

Mit jeder Seillänge nimmt die Steilheit zu und die Kletterei wird anspruchsvoller. Ein perfekter Riss weist uns den Weg nach oben und bereitet uns eine Riesenfreude. In der sechsten Seillänge gehen mir die Friends aus und ich muss einen zusätzlichen Haken beim Stand schlagen. Dies sollte der Letze für heute sein. Nach einer weiteren steilen Länge erreichen wir den Kamm des Pfeilers, von dem uns leichte Kletterei direkt auf die Wiese des Schlernplateaus führt. Glücklich legen wir uns in die Wiese und freuen uns über eine gelungene Onsight-Erstbegehung.

Routeninformationen:

Die Route folgt einem markanten Risssystem und ist bis auf zwei Normalhaken vollständig clean. Der Fels ist sehr gut und bietet ausreichend Möglichkeiten für mobile Sicherungen.

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„Der fliegende Milchmann“ (VIII-) Santner https://patricktirler.com/der-fliegende-milchmann-vii-santner https://patricktirler.com/der-fliegende-milchmann-vii-santner#respond Sun, 04 Sep 2022 08:09:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=423 Erstbegehung am Santnerbauchpfeiler 03/04.09.2022 mit Moritz Sigmund Bereits vor einigen Jahren hat sich diese besonders herausstechende Linie in meinen Kopf eingebrannt. Jedes Mal, wenn ich beim Zustieg zur Santner Nordwand aus dem Wald hinausblicke, schießt mir dieser perfekte Riss ins Auge. Pfeilgerade durchzieht er eine steile, gelbe Wand am rechten Rand der Nordwand des Santners. […]

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Erstbegehung am Santnerbauchpfeiler 03/04.09.2022 mit Moritz Sigmund

Bereits vor einigen Jahren hat sich diese besonders herausstechende Linie in meinen Kopf eingebrannt. Jedes Mal, wenn ich beim Zustieg zur Santner Nordwand aus dem Wald hinausblicke, schießt mir dieser perfekte Riss ins Auge. Pfeilgerade durchzieht er eine steile, gelbe Wand am rechten Rand der Nordwand des Santners. Im Anblick des Santers wirkt der kleine Pfeiler, auf dem sich der Riss befindet, klein und doch kann man ihm schon vom Weiten erkennen. Schon zu Schulzeiten leuchtete mir diese wunderschöne Linie jedem Morgen auf dem Schulweg ins Gesicht. Ich wusste schon damals, dass ich früher oder später dort oben klettern werde.

So kam es, dass ich im Jahr 2019 mit Felix Kiem die Route „Heiße Liebe! Eiskalt erwischt!“ (9-) von meinem Onkel Moritz Tirler und Florian Riegler einstieg. Die Route führt rechts von dem gelben Riss auf dem Pfeiler und sollte uns einen guten Ausblick bieten. Doch die Route entwickelte sich zu einem Abenteuer für sich selbst und so vergaßen wir komplett, einen genaueren Blick nach links zu werfen. Felix, für dem es eine der ersten Alpintouren war, erzählt noch heute von diesem prägenden Erlebnis.

Nach einer Expedition nach Kirgistan zusammen mit Moritz Sigmund und vier weiteren Freunden bin ich heuer wieder höchst motiviert auf Dolomit zu klettern. Ich habe Moritz schon oft von dieser Idee auf dem Santner erzählt und am Vorabend des 3. September beschließen wir, das Projekt endlich umzusetzen. Am Wandfuß angekommen überlegen wir nicht lange und wählen den leichten Einstieg über einen breiten Kanal. Nach zwei Seillängen 4er Kletterei in den Zustiegsschuhen erreichen wir einen schönen Standplatz ober den Latschen, von dem wir einen ersten genaueren Blick auf den Riss werfen können. Die Wand über uns wirkt im ersten Moment etwas brüchig, doch beim genaueren Betrachten stellen wir fest, dass der Fels im Grunde sehr solide ist. Eine weitere leichtere Seillänge bringt uns auf das Band unmittelbar am Beginn des Risses. Ich baue einen stabilen Stand an drei Friends und übergebe Moritz das gesamte Material.

Mit zwei Sätzen Friends und einigen Nägeln an den Hüften klemmt er seine Hände in den Riss und klettert drauf los. Um Gewicht zu loszuwerden, platziert er gleich beide 4er Friends. Der Riss lässt sich wie erwartet sehr gut absichern und so kommen wir schnell voran. An einem Hängestand an einem Nagel und zwei Bombenfriends tauschen wir Material und ich kletterte voraus. Der Riss wird immer schmaler und mit Freude können wir zum ersten Mal unseren kleinsten Micro-Friend einsetzen. Nachdem ich, nach etwa 25 Meter, fast mein ganzes Sicherungsmaterial aufgebraucht habe, nehme ich die restlichen vier Friends vom Gurt, stopfe sie in den Riss und verbinde sie zu einem Stand. Ich freue mich riesig über den komplett sauberen Stand, der meinen Anschein nach mehr als so mancher Gebohrter aushält. Ich ahne dabei noch nicht, welche Belastungsprobe auf diesen Stand gleich zukommt.

Während Moritz seinen Standplatz abbaut, lasse ich meinen Blick über die Wälder des Schlerngebiets streifen. Weit und breit keine Menschenseele in Sicht. Der Wald strahlt eine eigenartige Ruhe aus und übertönt all die Geräusche, die vom hektischen Alltag im Tal zu uns heraufklingen. In Gedanken versunken sichere ich Moritz nach. In den letzten Tagen ist sehr viel passiert, doch die einzige Frage die mich in diesem Moment beschäftigt, ist, wo der Adler, der über unsere Köpfe kreist, wohl sein Nest haben wird. Ich fühle mich wohl und bin froh hier zu sein.

Moritz ist inzwischen bei mir angekommen und freut sich gleich wie ich über den genialen Stand. Über uns verliert sich der Riss langsam in den kompakten grauen Platten. Ohne zu Zögern klettert Moritz drauf los und versucht nach etwa fünf Metern eine Sicherung zu legen. Doch der ausgewählte Felsspalt wehrt sich aus ganzer Kraft und nach einer Weile gibt Moritz auf. Erst später sollen wir bemerken, dass man weiter links einen guten Friend platzieren hätte können. „Do oben isch a Riss, do kriag i eppes inni!” Mit diesen Worten klettert er zügig weiter. Die Wand wird nun immer flacher und die Kletterei ist nicht mehr allzu schwer. An der besagten Stelle angekommen nimmt Moritz erneut einen Friend vom Gurt. In diesem Moment sehe ich wie sich etwas von seinem Gurt löst und an mir vorbei in die Tiefe fällt. „Oh nein, ein Keil!“ Ich beobachte wie der Keil im freien Fall dem Boden entgegenrast und bedauere den Verlust. Plötzlich höre ich von oben einen erschrockenen Schrei, der sofort meine volle Aufmerksamkeit erobert. Solche Geräusche hört in man in diesen Situationen absolut nicht gerne und deshalb schaue ich blitzschnell nach oben. Mit Schrecken sehe ich, wie Moritz langsam nach hinten kippt. Ein kleiner Griff zur Stabilisierung ist ihm gebrochen und daraufhin hat er sein Gleichgewicht verloren. Mit der letzten Hoffnung einen Wahnsinnssturz, direkt in den Stand, zu vermeiden, versucht er verzweifelt mit beiden Händen nach irgendwas Haltbaren zu schnappen. Doch sein Körperschwerpunkt ist bereits zu weit weg von der Wand. Im letzten Moment legt er sich das Seil zurecht und springt mit voller Kraft von der Wand weg. Mit zehn Metern Schlappseil rauscht er an mir vorbei. Alles geht so extrem schnell und ich habe keine Zeit zu reagieren, doch ich habe die Situation erfasst und bleibe erstaunlich ruhig. Meine große Sorge ist, dass er sich beim Aufprall sämtliche Knochen im Becken in Stücke reist, doch ich weiß genau was ich dagegen tun muss. Moritz fuchtelt in der Luft wie wild mit Händen und Füßen, und ich kann nur hoffen, dass er sich nicht im Seil verheddert. Nach einigen furchtbaren Sekunden des Fallens strafft sich das Seil. Ich bin auf diesem Moment vorbereitet und halte das Sicherungsseil gelassen in den Händen. Das Seil fängt an durch den Sicherungsknoten zu laufen und ich widerstehe dem reflexartigen Drang, das Seil festzuhalten. Nur langsam erhöhe ich den Druck in meiner Hand und bremse so die gewaltige Sturzenergie langsam aus.

Mit weit aufgerissenen Augen schaue ich nach unten. „Olles guat?“ „Jo, bei dir?“ Erleichtert über die schnelle Antwort, blicke ich zum Stand. Wie erwartet hat er keinen Wackler gemacht. Bei einem genaueren Blick auf das Seil, fällt mir etwas auf, dass ich noch nie gesehen habe. Auf etwa fünf Metern ist der Mantel durch die entstandene Hitze geschmolzen und bildet nun eine harte Kruste. Ich ziehe meinen Fuß unter dem gespannten Seil heraus und bemerke, dass mir das Seil einen fetten Verbrennungsstreifen eingebrannt hat. „Jo, olles guat!“

Nachdem wir uns von dem anschließenden Lachanfall erholt haben, klettert Moritz im Nachstieg die gesamte Schlüssellänge zum Stand. Als wäre nicht geschehen, probiert er es gleich nochmal. Diesmal platziert er auf dem Weg zum gebrochenen Griff gleich zwei Sicherungen. Nach etwa 20 Metern erreicht er einen Haken, den Moritz und Florian vor 17 Jahren zum Abseilen verwendet haben. Zusammen mit einem zweiten Nagel und ein Köpfchen baut er einen Stand und ich klettere nach. Die nächste Seillänge verlangt nochmals volle Konzentration und etwas Kreativität beim Absichern. Nach einer weiteren leichten Länge erreichen wir den Pfeilerkopf und entscheiden, die Route hier an einem logischen Punkt zu beenden.

Am nächsten Tag kehren wir nochmals zurück, um die Route freizuklettern. Mit dem Wissen über die genauen Placements fühlt sich alles viel leichter an. Ohne Anspannung genießen wir die Kletterei aus ganzen Stücken und freuen uns, die Linie in einem sauberen Stil geklettert zu sein. Glücklich über das erfolgreiche Wochenende steigen wir ab und Moritz macht sich gleich auf dem Weg nach Brixen, wo eine achtstündige Nachtschicht in der Brimi auf ihn wartet.

Routeninformationen:

Die Route führt durch eine sehr logische Linie auf dem Santnerbauchpfeiler. Wir haben bis auf drei Haken keine Spuren hinterlassen und bewahren damit für Wiederholern das Gefühl einer Erstbegehung. Die Route kann sehr gut abgesichert werden und verlangt neben den klettertechnischen Fähigkeiten auch einen sicheren Umgang mit mobilen Sicherungsmitteln. Die Standplätze müssen ebenfalls selbst eingerichtet werden und ein Rückzug ist nur über die eingezeichneten Abseilstellen möglich.

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Kyrgyzstan – Climbing Expedition KaraSu 2022 https://patricktirler.com/kyrgyzstan-2022 https://patricktirler.com/kyrgyzstan-2022#comments Sat, 13 Aug 2022 16:37:05 +0000 https://patricktirler.com/?p=544 The following report is addressed to climbers who are considering a trip to Kyrgyzstan. Don’t hesitate to contact us for more information. Happy reading! 🙂 Team: Moritz Sigmund, Hannes Niederwolfsgruber, Alexander Obertimpfler, Moritz Plattner, Patrick Tirler, Elisabeth Lardschneider Time: 15. July – 13. August 2022 Location: Kyrgyzstan, Karavshin, KaraSu Valley Summary: The trip was absolutely […]

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The following report is addressed to climbers who are considering a trip to Kyrgyzstan. Don’t hesitate to contact us for more information. Happy reading! 🙂

Team: Moritz Sigmund, Hannes Niederwolfsgruber, Alexander Obertimpfler, Moritz Plattner, Patrick Tirler, Elisabeth Lardschneider

Time: 15. July – 13. August 2022

Location: Kyrgyzstan, Karavshin, KaraSu Valley

Summary:

The trip was absolutely amazing. We had an incredible time, acquiring numerous valuable experiences and knowledge along the way. Every single person we encountered was exceptionally friendly, making us feel constantly welcomed. The travel agency executed their responsibilities flawlessly, leaving us with no worries or concerns. While a certain level of patience was necessary, we could always depend on the support of the people around us. The cook, along with her husband and son, resided at Basecamp during the summer and took excellent care of us.

The Basecamp can be reached in two days from Osh with one day of driving and one day of hiking and is located at the beginning of the valley on a beautiful meadow with a water source. It takes between one and two hours to reach the walls. If you want to climb on the western side of the valley, you should fix a rope across the river right at Basecamp.

The climbing is usually very adventurous, as there is often little information to be found. Many routes are not documented or even completed. It is advisable to search for topos in Russian on the internet, as the Russians sometimes have very good topos. There is a Russian guidebook in which the most famous routes are described in great detail. It is advisable to translate it in advance.

Most routes have been climbed in technical climbing and many are still waiting for a free ascent. The rock is almost always excellent and there are still some opportunities for first ascents, especially on the north-east side of Asan, Usen and Little Asan, in the right area of Christianity, on the wall to the right of „Alperina“ on Asan, on Odessa and on Silverwall. Kotina, Yellow Wall and the central part of Asan, on the other hand, are already very crowded.

Temperatures can be very high, so you can climb at 4000 m in shorts, but it can also be very cold. The weather can be very changeable and it can rain for several days. We were very lucky and there was only one completely rainy day and 5-6 days when it rained in the afternoon.

Diary:

Day 1 (15/07):

  • Flight from Bergamo(IT) to Osh via Istanbul.

Day 2 (16/07):

  • Arrived at the airport at 7:00am. 
  • A minibus of our travel agency “Central Asia Travel” with a driver and our organizer was already waiting for us. After a warm welcome, they brought us to the hotel “Sunrise”.
  • In the hotel we immediately had to pay the whole amount (€1800 per person) in cash.
  • In the afternoon, our travel agency brought us to a big supermarket, where we bought some food. (50 Snickers, Beer and some food for the approach)
  • In the evening we made a little city tour and had dinner in one of the restaurants.
  • Accidentally, we found out that the travel agency already put up the Basecamp, but in the wrong valley. The cook and the tents were already in the Aksu-valley, but we always wanted to go to the KaraSu-valley. After some stressful phone calls, our organizer managed to solve the misunderstanding and everything seemed to be alright.
  • We never received a detailed program from our agency, and so we were convinced that we would have to hike two days to get to the Basecamp. But our organizer told us that in the year 2020 a new street was built which reduces the approach to one day. Good news!

Day 3 (17/07):

  • At 8:00am, our driver takes us from the hotel with the minibus and drives us to Batken. After 4 hours of wild driving, we arrived at the house of our organizer, where we got some lunch packets. 
  • After 2 more hours of driving, we stopped at a meadow where three jeeps were waiting for us. A Russian team was already there.
  • We wondered why the Russians have big water canisters and discovered that in the place where we sleep there is no water. We informed our organizer that we have no water with us, and he called somebody and told us that another team is still coming, which brings us some water.
  • There was only one spot left in the jeeps, so Patrick got on it and the others had to wait until the jeeps returned for the next turn.
  • After 2 hours of driving over a pass, we reached the military post where the road ends.
  • The Russians set up their tent. We slept under the free sky because our tents were already in the valley.

Day 4 (18/7):

  • At 8:00am, the first horses came, and the Russians loaded them. After they left, we were still there waiting alone for our horses.
  • At 10:00am, our horses came. The loading of the horses took a long time (30 min per horse). Each horse carries a maximum of 60 kg and the bags must be balanced exactly on both sides.
  • At 12:30 we finally started hiking in an extreme heat. We had not much water left, and there were only very few potable water sources along the way.
  • Halfway, a horse fell into the river, but luckily it could save itself. Otherwise, a fifth of our material would have been lost. 
  • At 21:00 we finally arrived at the Basecamp where our cook already waited for us with a dish of rice.

Day 5 (19/7):

  • We slept until the sun was shining onto the tents (10:00am), sorted our material and washed us in the river.
  • After lunch, Hannes, Lisi and Patrick hiked in the valley for the first time to take a closer look at the walls. 
  • Motz did not feel good and remained in the Basecamp.
  • Mo and Obi wanted to climb “Eastbegehung” on the Green Wall, but they missed the first pitch and retreated.

Day 6 (20/7):

  • Motz was still not very fit and decided not to climb. He hiked to the base of Pik Odessa, taking some pictures of the walls and watching out for a possible new line.
  • Hannes and Lisi wanted to climb “Für einen Freund” on Little Asan, but they didn’t find their route and returned.
  • Obi, Mo and Patrick chose for the classic “Diagonal” in the Yellow Wall. Mo and Patrick could send all pitches and all three reached the summit without any problems.
  • Mo and Patrick detected a huge crack in the headwall of the Yellow Wall and could not take their eyes off it. They were convinced that this kingline is still virgin and, although they were very tired in the evening, they decided to try it on the next two days.

Day 7 (21/7):

  • Hannes and Lisi climbed the “Diagonal” route on the Yellow Wall.
  • Motz and Obi climbed “Eastbegehung” on the Green Wall.
  • Mo and Patrick stood up at 8:00am and prepared to attempt the beautiful crack in the headwall of the Yellow Wall. They named it the “Commander Crack” and planned to stay in the wall for two or three days. With extremely heavy haulbags and in the heat of midday, they dragged themselves to the wall. They already found some bolts at the belays of their planned line and decided to follow them. They struggled a lot with the hauling and at the end of the day they reached the ramp, where the “Diagonal” crosses their line. They set up their portaledge a lot lower than expected and Motz tells them, through the walky talky, that he found an existing route to the left of us in the topos of the Russian climbers. He also spotted some bolts in the headwall from below.

Day 8 (22/7):

  • Motz, Obi, Hannes and Lisi wanted to climb “Czarna Wolga” on Kotina. They planned to climb it in two days, sleeping on the ledge. But already after the first pitch it was clear that hauling the whole water, food and sleeping bags takes too much time and energy, and they decided to give up and try again on the next day with better tactics (fast and light).
  • Mo and Patrick left the Portaledge and all the bivy material behind and climbed into the headwall of the Yellow Wall. After four pitches, they reached the big flake. Their idea was to climb the flake and then take a pendulum to reach the “Commander Crack”. But the crack behind the flake was much wider than expected, and they had only one cam of size #6, which was not enough. They put three bolts under the flake, which still did not bring any breakthrough, so they decided to give up. They were physically and mentally exhausted and did not want to drill themselves through the whole flake. They rappelled over the route and hiked back to the Basecamp.
  • After this day, we all knew that we had to optimize our tactics and especially to reduce weight to be able to climb efficiently.

Day 9 (23/7):

  • Mo and Patrick stayed in the Basecamp, making a rest-day.
  • Motz, Obi, Hannes and Lisi started a new attempt on Kotina. This time they avoided hauling, and all four climbed with a backpack, the leading person took a light backpack and the follower a heavier one with water and food. They discovered from the Russians that there is water (not always) on the ledge, which made the backpacks much lighter. After approximately 18-20 pitches with beautiful climbing, they arrived at the big ledge in the middle of the wall on sunset. On the ledge, there are two nice sleeping places and enough space, so they didn’t have to belay themselves overnight. Unfortunately, they forgot the lighter and so they could only eat lyofoods with cold water. Absolutely disgusting!

Day 10 (24/7):

  • Motz, Obi, Hannes and Lisi climbed to the summit without finding any human traces. Only afterward, they found out that they had climbed a completely independent line. The descent also turned out to be very complicated, because they could not find the rappel line of the Russians and had to set up their own line. Since this was very time-consuming, they only made it to the bivouac site from the night before, and decided to spend another night there.
  • Mo and Patrick got diarrhea overnight and stayed in the Basecamp. They expected the others to come back in the evening, but nobody came. At 22:00 they went into the valley to search for lights. They saw no lights and had no connection with our walkie-talkies, and assumed that the four climbers would have to sleep another time on the mountain.

Day 11 (25/7):

  • In the morning, Mo and Patrick went into the valley to look for the others. They spotted them with the binoculars while abseiling.
  • On this day Motz, Obi, Lisi and Hannes found the rappelling slope and started rappelling half starved and totally exhausted. The rappelling belays were in a very bad condition, and partly they had to climb down several meters. After more than 6 hours they reached the wall foot totally exhausted.

Day 12 (26/7):

  • Patrick was still sick and Motz now too.
  • Hannes and Obi were resting.
  • Mo and Lisi prepared to climb Pik Odessa via the easiest route, “Ovtcharenko” (russ. 6A). They planned to go to the base of the wall today, to climb to the summit the next day, to sleep on top of Odessa and to descend the day after. In the evening, they hiked to the Odessa glacier. The route goes through the north face of the mountain and therefore the glacier has to be passed before. Since Mo and Lisi had only one pair of crampons, they chose to pass the glacier on the rockfield on the right side. About halfway, a huge rockfall almost hit them. Totally shocked, they decided to go back to the Basecamp. In the next few days we discovered that such rockfalls are no rarity on this glacier and that climbing this glacier on the right side is very dangerous and absolutely not recommended.

Day 13 (27/7):

  • Patrick felt slightly better and hiked to the base of “Pik 1000 years of Christianity” to look for some new lines and to carry up some material. He and Motz set their sights on the wall on the very right of “Christianity”. But Patrick could not spot a promising line and decided that it was not worth it.
  • The others were resting in the Basecamp.
  • In the afternoon, our four friends from Tyrol arrived. We met them before our departure in Innsbruck and discovered that they planned to do the same expedition as we.

Day 14 (28/7):

  • Motz was still sick.
  • Hannes and Obi were resting.
  • Mo, Lisi and Patrick started in the morning to climb the “Tyrolean” on the Silverwall with one bivouac in the wall. After one hour and half of approaching, they noted that they forgot a gas cartridge. Mo takes the blame and runs back to the Basecamp. Lisi and Patrick waited for him, but after four hours, Mo still did not come back. They deposited some climbing staff and returned to the Basecamp. Mo became nauseous and had to remain in the Basecamp waiting for Patrick and Lisi to return. 

Day 15: (29/7)

  • The weather forecasted rain in the afternoon.
  • Mo and Motz were sick.
  • Obi, Hannes, Patrick and Lisi decided to try “Rocket Donkey” on Silverwall. Patrick struggled on the approach as his stomach began to complain again. After nine pitches a storm came up, and they had to abseil in heavy rain, completely wet and frozen.

Day 16: (30/7)

  • Everybody was resting in the Basecamp as it was raining the whole day.

Day 17: (31/7)

  • Diarrhea felt normal, and we managed to ignore it.
  • Little hike in the valley to inspect some lines. Motz’s and Patrick’s current objective is a free climb attempt of the “Pugachev-Maksimenya”-Route on Asan because the line looked simply amazing. They also spotted a very promising crack between “Pugachev-Maksimenya” and “Alperina”. Obi and Hannes instead looked for a new line on the neighboring “Michael Volkov” Peak, to the right of the huge Asan west face.

Day 18: (1/8)

  • The weather was still very unstable.
  • Mo and Lisi were still not completely fit, so they decided to rest. 
  • Obi and Hannes started their first attempt of a new route on the “Michael Volkov” Peak to the right of the huge Asan west face. Due to rain, they had to return to Basecamp after only one pitch.
  • Patrick and Motz made a first attempt on a new line on the North-East-Face of Little Asan. They managed to climb the first five pitches.

Day 19: (2/8)

  • Obi and Hannes went for a new attempt on the  “Michael Volkov” Peak. After four pitches, it began to rain, and they had to abseil.
  • Patrick and Motz continued to work on their new route and managed to get to the summit. It turned out that the rain reaches the valley to Pik Odessa later than in the rest of the valley.
  • Mo and Lisi wanted to give the Commander Crack another try. They aimed to traverse the blank slab to reach the promising crack on the old technical route, which Mo and Patrick spotted on their previous attempt. But some blank sections prevented them from reaching the crack. 

Day 20: (3/8)

  • Patrick and Motz were resting.
  • Hannes and Obi finished their first ascent on the  “Michael Volkov” Peak calling it “Iron Horse”.
  • Mo and Lisi tried again to reach the Commander Crack in the headwall of Yellow Wall. They climbed to the last bolt, which Patrick put during the first attempt, and from there they took a big pendulum to the left where the bolts from the old technical route continued. A some exhausting technical climbing, running out of gear, they finally managed to reach the crack. But it looked hard, and they were so destroyed that they decided to abseil.

Day 21: (4/8)

  • Mo, Hannes, Obi and Lisi were resting.
  • Patrick, Motz and Phillip (Tyrolean, his climbing partner got sick) worked on the new route on Little Asan for a free ascent. Patrick managed to climb the first pitch, and Motz and Phillip could decipher the moves on the second crux pitch.

Day 22: (5/8)

  • Hannes and Obi were resting again.
  • Patrick and Motz completed the first free ascent of their new route “Ak-Kalpak” on Little Asan. Mo and Lisi accompanied them, shooting some pictures and enjoying the beautiful climbing.
  • After the ascent, Motz and Patrick deposited their material on the way because they wanted to climb Pik Odessa on the next day.

Day 23: (6/8)

  • Mo and Lisi were resting.
  • Obi, Hannes and Phillip set off at 4:00am to climb “Gorbenko” on the North-East-Face of Asan in one day. They didn’t find the route and returned to the Basecamp.
  • Motz and Patrick set off at midday to the base of Pik Odessa. They planned to stay in the wall for four days, trying the route “Сахарова” through the west face. They managed to climb four pitches before they set up their portaledge on one bolt, one friend and a nut.

Day 24: (7/8)

  • Obi and Phillip tried again to climb Asan on the North-East-side. Again they couldn’t locate the right entry point and had to give up after some pitches.
  • Mo, Hannes and Lisi departed early to climb the classic “Alperina” on Asan. They slept on the ledge on pitch 9. 
  • Patrick and Motz continued to climb. The climbing was very hard and hauling required a lot of time and energy. At the end of the day they had climbed 14 pitches and set up their portaledge below the headwall.

Day 25: (8/8)

  • Obi remained in the Basecamp, preparing some firewood for the final campfire.
  • Mo, Lisi and Hannes reached the summit of Asan and descended afterward.
  • Motz and Patrick left their portaledge behind and aimed to make a fast and light summit push. They underestimated the difficulty of the climbing, but they managed to pass the steepest part of the wall. At 15:00 they reached a height of 4400 m (about 400 m below the summit) and sadly had to admit that they wouldn’t reach the summit without a bivouac. Since they left all their bivy material behind to minimize weight, they decided to return to the portaledge.

Day 26: (9/8)

  • Mo, Lisi, Hannes and Obi stayed in the Basecamp enjoying the last days in the valley.
  • After another night in the west face of Pik Odessa, Motz and Patrick rappelled over the route. There were some bolts at the belays which made the descent happen without bigger complications.

Day 27: (10/8)

  • Last day in the Basecamp!
  • We all stayed in the Basecamp to prepare for the journey homewards.

Day 28: (11/8)

  • Hike (6h:30) down to the military post where the Jeeps were waiting for us.
  • The drive home went without problems. At 3:00am we arrived at the hotel “Salam” in Osh.

Day 29: (12/8)

  • Shopping in Osh
  • In the evening, we went into town for dinner and ended up in a restaurant with live music. More and more people showed up, and at some point we found ourselves in the middle of a wedding party.

Day 30: (13/8)

  • Our flight to Istanbul departed at 4:00am.
  • Our taxi showed up with 40 minutes delay, but in the end everything went well, and we safely arrived in Italy at 17:00.

Routes Climbed:

  • “Diagonal” (7a) Yellow Wall:

The line is very obvious and cannot be missed. The major part of the route is easy climbing, and there is only one harder pitch. The crux pitch (7a) is steep and felt very strenuous, especially because of the altitude (~3500 m). The descent on the backside of the mountain was very obvious and fast. Compared to the other walls, the rock quality is not as good, but the route is well suited as a warm-up route.

  • “Rocket Donkey” (7a) – Silverwall:

The route is well suited for unstable days, as the belays are equipped with a bolt and a retreat over the route is possible. The climbing is great, and can be well protected.

  • “Ak Kalpak” (8a+) – Little Asan:

Beautiful free climb on the north face of Little Asan first ascended by Moritz Sigmund and Patrick Tirler.

  • „Сахарова“ (~7c???) – Pik Odessa:

The route was first climbed by Russian climbers in 1994 and follows a logical line through the entire west face of Pik Odessa. Due to glacier recession, the beginning of the route is lower than original. To get to the start, the short glacier slope must be overcome. Since we did not have crampons with us, we had to hit steps into the hard snow. After the first pitch, we crossed far to the left where we met the original line. The climbing is very technical and more difficult than expected (maximum 7a). The compact granite slabs are sometimes difficult to protect and bolts are very rare. After the first third of the wall, the wall becomes steeper and finally ends in a slightly overhanging wall. The line follows a crack system and therefore the bolts disappear almost completely. After many hanging belays and two difficult pitches (estimated 7c), you reach a ledge from which the wall becomes flatter. Here we turned around. The rappelling worked very well, as we were not the first to rappel above the wall. We only had to drill one piton ourselves.

The route offers beautiful freeclimbing and a great adventure. The line is not always obvious, but we always followed the easiest path and were always right. Some bolts are for rappelling only and are sometimes located outside the climbing line. There are no ledges on the whole route where you could sleep, so a portaledge is required. For abseiling, we recommend bringing enough slings to leave behind and some bolts.

  • “Commander Crack” – Yellow Wall:

The prominent crack in the headwall of the Yellow Wall was named the Commander Crack by us, but unfortunately we could not climb in it. At the first attempt, we planned to climb the huge flake and cross the blank slab with a pendulum traverse to reach the tree, where the crack begins. But the crack behind the flake was too big for our cams, and the rock was very splintery and partly fragile. After drilling three bolts, we gave up because we didn’t want to drill ourselves all the way up. With two or three cams BD#6 it would be possible to climb the flake without bolts. (yellow line in the topo below)

An unknown aidclimb route crosses the slab and leads to the beginning of the crack. Whether the route follows the crack is unclear. However, this route was climbed with copperheads and is no longer original climbable because some copperheads have broken out. (green line)

Moritz Plattner and Elisabeth Lardschneider succeeded in the third attempt to swing from the flake into the aid route and climb to the tree. However, they did not climb the crack anymore, because the way to the tree has already cost them too much energy. (blue line)

  • “Alperina” – Asan
  • “Iron Horse”  – Michael Volkov Peak:
  • “Czarna Wolga”  – Kotina

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„Сахарова“ – Pik Odessa (4800m) – Kirgistan https://patricktirler.com/%d1%81%d0%b0%d1%85%d0%b0%d1%80%d0%be%d0%b1%d0%b0-pik-odessa-4800m-kirgistan https://patricktirler.com/%d1%81%d0%b0%d1%85%d0%b0%d1%80%d0%be%d0%b1%d0%b0-pik-odessa-4800m-kirgistan#comments Sat, 06 Aug 2022 08:49:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=384 06.08.2022 bis 10.08.2022 – mit Moritz Sigmund Im Sommer 2022 reisen Moritz Sigmund, Moritz Plattner, Elisabeth Lardschneider, Hannes Niederwolfsgruber, Alexander Obertimpfler und ich nach Kirgistan ins Karavshin-Gebiet. Nach einer zweitägigen Anreise mit alten sowjetischen Jeeps über steile, ausgesetzte Passstraßen und einer achtstündigen Wanderung mit Eseln und Pferden erreichen wir das Basislager im KaraSu-Tal. Auf der […]

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06.08.2022 bis 10.08.2022mit Moritz Sigmund

Im Sommer 2022 reisen Moritz Sigmund, Moritz Plattner, Elisabeth Lardschneider, Hannes Niederwolfsgruber, Alexander Obertimpfler und ich nach Kirgistan ins Karavshin-Gebiet. Nach einer zweitägigen Anreise mit alten sowjetischen Jeeps über steile, ausgesetzte Passstraßen und einer achtstündigen Wanderung mit Eseln und Pferden erreichen wir das Basislager im KaraSu-Tal. Auf der Suche nach Abenteuern erkunden wir die gewaltigen Granitwände, von denen wir kaum Informationen besitzen. Die folgende Geschichte erzählt von einem Versuch der Route „сахароба“ in der gewaltigen Westwand des Pik Odessa.

Unsere Finger bluten und schmerzen bei jeder Berührung. Moritz und ich sind gerade von unserem erfolgreichen Freikletterversuch, unserer Erstbegehung „Ak-Kalpak“ am Little Asan, zurück ins Basecamp gekommen und lassen uns von unserer kirgisischen Köchin das Abendessen servieren. Es wäre höchste Zeit für einen Pausentag, doch in fünf Tagen reisen wir ab und wir haben unsere Erwartungen noch lange nicht erfüllt. Per Satellitentelefon versuchen wir Jana und Felix, die uns mit Wetterinformationen versorgen, anzurufen. Doch wir erreichen niemanden und beschließen, am nächsten Morgen einfach zu starten und auf gutes Wetter zu hoffen. Die Liste der möglichen Ziele wäre lang, doch wir entscheiden uns für das herausforderndste. Bereits seit dem ersten Tag im KaraSu-Tal leuchtet uns die gewaltige Westwand des Pik Odessa in die Augen. Der Gipfel befindet sich auf 4800 Meter und ist von den Niederschlägen der letzten Tage leicht angezuckert und vereist. Auf allen Seiten fallen die Wände steil ab und machen den Gipfel zu einem der begehrtesten und angesehensten Ziele der russischen Bergsteiger. Die Westwand zählt mit ihren 1300 Höhenmetern wohl zu den größten und schönsten BigWalls der Welt und wird nur selten begangen.

In unserer Routensammlung finden wir ein Wandbild mit acht eingezeichneten Routen. Alle Routen wurden von russischen Kletterern in technischer Kletterei erstbegangen und freie Wiederholungen sind uns nicht bekannt. Ein russischer Kletterer erzählt uns von der Route „сахароба“ im linken Wandteil, die vielleicht freikletterbar ist. Sie wurde 1994 erstbegangen und bis auf den Steilheitsangaben der einzelnen Wandteile haben wir keine brauchbaren Informationen über die Route. Unsere ungebremste Motivation, erste Erfahrungen in solch riesigen Wänden zu sammeln, lässt uns die Müdigkeit der letzten fünf Klettertage einfach vergessen und wir planen, die nächsten vier Tage am Odessa zu verbringen. Um uns wenigstens ein bisschen Erholung zu gönnen, schlafen wir bis 9:00 Uhr und packen dann gemütlich unsere Haulbags. Gegen Mittag brechen wir mit jeweils 30 Kilo schweren Rucksäcken vom Basecamp auf. Der Zustieg bringt uns ans Limit und quält uns für ganze drei Stunden. Kurz vor dem Einstieg müssen wir noch einen steilen Gletscherhang überwinden. Da wir keine Steigeisen dabei haben, müssen wir in mühsamer Arbeit Stufen in den harten Schnee treten. Am Einstieg angekommen, hoffen wir das Anstrengendste geschafft zu haben. Doch wir sollten uns täuschen.

Da in den letzten Jahren der Gletscher stark zurückgegangen ist, beginnt die Wand nun viel tiefer als vor 20 Jahren. Wir wählen die logische Linie und hoffen, irgendwann auf die Originalroute zu treffen. Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und wir beeilen uns, um heute noch einige Seillängen hinter uns zu bringen. Der 140-Liter-Haulbag, in dem sich unser gesamtes Material, Essen und Wasser befindet, ist ungefähr 40 Kilo schwer und lässt sich nur mit größten Kraftanstrengungen nachziehen. Bereits in der zweiten Seillänge kommt es zum ersten Schreckmoment. Ich quere 40 Meter nach links, wo ich die Originallinie vermute, und baue dort den Stand. Ich schreie Moritz zu, er solle den Haulbag von unten nachsichern, um ein unkontrolliertes Pendeln zu verhindern. Doch er unterschätzt die Kraft des Haulbags und er entgleitet ihm aus der Hand. Mit voller Wucht pendelt unser gesamtes Material über die Wand und kracht mit einem lauten Knall in eine Verschneidung. Ich befürchte schon das Schlimmste, doch bis auf ein paar Kratzern scheint nichts kaputt gegangen zu sein.

In der vierten Seillänge finde ich zu unserem Glück einen zuverlässigen Bohrhaken, bei dem ich mit einem Friend und einem Keil einen zufriedenstellenden Standplatz für die Nacht bauen kann. Es ist bereits dunkel, als wir unser Portaledge mit dem Überzelt aufbauen. Der Platz ist alles andere als ideal und wir sind viel zu erschöpft, um das Portaledge perfekt einzustellen. So kommt es, wie es kommen muss. Das Portaledge neigt sich über Nacht, sodass wir am nächsten Morgen 45° geneigt in den Seitenwänden liegen. Ich habe fast gar nicht geschlafen und die Wunden unter meinen Fingernägeln schmerzen wie verrückt. Sobald es hell wird, frühstücken wir in den Schlafsäcken unser Müsli mit aufgekochtem Wasser und machen uns dann bereit zum Weiterklettern.

Kein Ende in Sicht

Die Kletterei ist viel schwieriger als gedacht. Wir folgen unserem Instinkt und klettern immer den leichtesten Weg entlang. Ab und zu finden wir einen schaurigen alten 4mm Bohrhaken als Zwischensicherung, ansonsten klettern wir von Schuppe zu Schuppe, wo wir meist eine Zwischensicherung unterbringen können. Der Granit ist extrem kompakt und fordert technische Reibungskletterei bei langen Runouts. Die Schwierigkeiten bewegen sich um den Grad 7a und alle Stellen sind zwingend frei zu klettern. Wir bekommen schnell zu spüren, dass die Erstbegeher nicht, wie erwartet, kompromisslose Technokletterer waren, sondern bereits mit modernen Sicherungsmitteln freikletterten. Zumindest ist die Linie ziemlich logisch und wir können alle Stände, die meist mit einem relativ vertrauenswürdigen Bohrhaken versehen sind, sofort finden. Unser großes Problem ist der Haulbag. Ständig verhängt sich der fette Sack an den kleinsten Felskanten und der Nachsteiger ist durchgehend damit beschäftigt, den Haulbag mit Abseil- und Pendelmanövern zu lösen. So kommen wir nur sehr langsam voran und schaffen bis zur Dämmerung 14 Seillängen. Kurz unter der Wandhälfte bauen wir erneut unser Portaledge auf. Die Wand ist nun fast senkrecht und somit hängt das Portaledge deutlich stabiler. Der Schmerz an meinen Fingern ist nun fast unerträglich. Beim Klettern schaffe ich es alles zu ignorieren, doch das Hantieren mit dem Gaskocher wird zur Qual. Wir haben unser Ziel, den Gipfel zu schaffen, jedoch noch klar vor Augen und sind zuversichtlich es zu schaffen.

An den Gedanken, den Haulbag noch einen Tag mit uns mitzuschleppen, wird uns schlecht. Deshalb entscheiden wir, am nächsten Tag ohne Haulbag und Portaledge weiterzuklettern. Bis zum Gipfel sind es noch ungefähr 20 Seillängen. Über dem Portaledge wird die Wand leicht überhängend und wir erwarten uns eine Bohrhakenleiter, auf der wir schnell weiterkommen. Somit sollten wir es bis zum Gipfel schaffen, um uns anschließend über die Route zum Portaledge abseilen zu können. Wir wissen, dass dieser Plan nur diese eine Chance vorsieht, denn eine Nacht ohne Biwakmaterial auf über 4000 Meter würden wir nicht überleben. Zudem müssen wir genügend Zeit fürs Abseilen zurück zum Portaledge einplanen, da wir wahrscheinlich die Abseilstände selbst einrichten müssen. Wir bleiben optimistisch und halten unsere Fast-and-Light-Taktik für erfolgversprechend.

Über Nacht kommt ein starker Wind auf und wir fühlen uns in unserem Portaledge wie auf einem Boot auf hoher See. Unter uns pfeift die Wand 600 Meter ohne Unterbrechung in die Tiefe und über uns erhebt sich die mächtig überhängende Headwall. Bei Tagesanbruch stopfen wir uns ein paar Müsliriegel in die Jackentaschen und hängen uns eine Wasserflasche an den Gurt. Es ist extrem kalt. Ich bin froh um meine lange Unterwäsche und starte voll eingepackt in die erste Seillänge. Schon nach einigen Metern bemerke ich mit Schrecken, dass ich die Tritte unscharf sehe. Ich muss wohl eine meiner Kontaktlinsen verloren haben. Ich beende die Seillänge mit nur einem Auge, eiskalten Fingern und eingefrorenen Zehen und sage Moritz, er solle mir die Brille mitnehmen.

Wir stehen nun unter einem unüberwindbaren Dach und queren über Untergriffschuppen diagonal nach rechts. In der dritten Seillänge verspürt Moritz plötzlich einen nicht aushaltbaren Druck im Darm, während ich 30 Meter weiter rechts nach einem Weiterweg suche. Ich schaffe es gerade noch, mich an einem Friend zu hängen, da sehe ich schon eine braune Suppe vom Hängestand im freien Fall in die Tiefe stürzen. Ein eiskalter Windstoß vertreibt mir das Grinsen aus dem Gesicht und ich sehe mich um. Weit und breit keine Begehungsspuren in Sicht und das Dach thront weiterhin über unsere Köpfe. Ich traversiere weiter nach rechts und bemerke plötzlich einen Bohrhaken, wo ich Stand baue. Zitternd klettert Moritz nach und flucht ununterbrochen darüber, dass er seine Zehen trotz gestrickter Wollsocken in den Kletterschuhen nicht spüren kann. Er bittet mich weiter vorzusteigen und so peile ich das Dach über mir an, wo ich einen dünnen Riss entdecke. Bis zu diesem Moment bin ich alles freigeklettert, doch jetzt überlege ich keine Sekunde mehr und greife in den Friend, um mich über das Dach zu hieven. Ich versenke drei Friends, binde sie zu einem Stand zusammen und flüchte mit meinen kalten Fingern sofort in die warmen Handschuhe. Weit oben erblicken wir eine rote Schlinge. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Tag 3: Wir lassen alles zurück und wollen es zum Gipfel schaffen.

Ohne viel Zeit zu verlieren starte ich sofort in die nächste Länge. Die Höhenluft macht sich bereits bemerkbar und ich muss einen Gang zurückschalten. Kurz darauf höre ich einen Fluch von Moritz und sehe noch aus den Augenwinkeln seinen Kletterschuh in die Tiefe segeln. Verdammt, die Vorsteigerrolle werde ich heute nicht mehr los.

Wir sind nun im steilsten Bereich der gesamten Wand angelangt und die Kletterei wird immer schwieriger. Nach zwei weiteren Seillängen erblicken wir einen Bohrhaken mitten in einer glatten Platte hoch über unserem Stand. Ich misstraue dem Bohrhaken sofort, da die Linie unlogisch wirkt. Da jedoch die logische Linie ebenfalls schwierig ausschaut und zudem etwas mehr überhängt, wähle ich den Weg zum Bohrhaken. Ich kämpfe mich über die schlecht absicherbare Platte und muss schließlich einsehen, dass ich in eine Sackgasse gelandet bin. Ich ärgere mich darüber, meinen Instinkt ignoriert zu haben und ziehe mich zurück. Ich seile mich am Bohrhaken einige Meter ab und pendle so weit wie möglich nach rechts. Ich setze einen schlechten Friend und hänge dort meine provisorische Trittleiter ein. Gerade als ich meine Finger in einen dünnen Riss stopfen will, sehe ich wie sich der Friend bewegt, und im nächsten Moment befinde ich mich schon in der Luft. Ich pendle den ganzen Quergang zurück und schlage hart auf, doch glücklicherweise ist nochmal alles gut gegangen. Beim nächsten Versuch greife ich voll in die Technotrickkiste. Mit Mikrokeilen und winzigen Friends gelingt es mir, mich über die Stelle zu schummeln. Auch die nächste Seillänge lässt sich nur mit einer extrem schwierigen Kombination aus Freiklettern und Technoklettern bewältigen. Ich muss sogar einen Nagel schlagen, um zum nächsten Stand zu gelangen. Dort finde ich einen alten Bohrhaken, der unsere Linienwahl bestätigt, und freue mich nach all den Hängeständen endlich mal wieder auf den Füßen stehen zu können.

Wir befinden uns mittlerweile auf 4400 Meter und noch zirka 400 Meter unter dem Gipfel. Die Wand wird nun immer flacher, doch es ist bereits 15:00 Uhr und immer noch arschkalt. Ich bin mental und physisch total am Ende und habe bereits alle Hoffnungen aufgegeben, es heute noch auf dem Gipfel zu schaffen. Auch von Moritz kommt kein Motivationsschub mehr und ein Notbiwak schließen wir erneut ohne Diskussion aus. Wir entscheiden abzuseilen.

Die Ostseite von Usen und Asan

Traurig darüber, nach den ganzen Anstrengungen so kurz vor dem Ziel aufgeben zu müssen, beginnen wir mit dem Abseilmanöver. Glücklicherweise reicht unser Seil immer von Bohrhaken zu Bohrhaken. Wir verstärken die 4mm-Bohrhaken mit unseren Haken und lassen einige unserer Schlingen zurück, doch im Großen und Ganzen verläuft der Rückzug viel leichter als erwartet.  Etwa drei Stunden vor Sonnenuntergang erreichen wir unser Portaledge, wo wir uns sofort in unsere Schlafsäcke verkriechen. Mit dem Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, essen wir unser restliches Essen auf und schlafen bald darauf ein.

Tag 4: Beim Abseilen

Am nächsten Tag bauen wir alles ab und stopfen das ganze Material in den Haulbag. Eine lange Abseilaktion steht uns nun bevor. Glücklicherweise sind wir nicht die ersten, die über die Wand abseilen, und so finden wir einige sehr spärlich eingerichtete Abseilstellen vor. Kurz vor dem Boden müssen wir in 30-minütiger, extrem mühsamer Handarbeit mit dem Handbohrer einen Bohrhaken in den harten Granit schlagen. Beim letzten Abseiler bleibt uns das Seil hängen und ich muss die Seillänge nochmal klettern. Unsere gesamte Energie ist nun aufgebraucht.

Moritz beim Handbohren

Wir kämpfen uns über den Gletscher und staunen nicht schlecht, als wir meine Prusikschlinge und den Kletterschuh am Wandfuß finden. Nach einer kurzen Pause schultern wir von Neuem unsere Haulbags und machen uns bereit für den Abstieg. Nach etwa einer Stunde treffen wir auf Obi, der uns entgegen gekommen ist, um uns mit Snickers und Riegel zu versorgen. Wir fallen über die Snacks her wie wilde Tiere und freuen uns nach vier Tagen in der Wand, wieder ein vertrautes Gesicht zu sehen. Langsam lässt die Anspannung nach und verwandelt sich in Müdigkeit. Wir sammeln nochmals unsere letzten Reserven und schleppen uns ins Basecamp, wo wir von allen herzlich erwartet werden. Was für eine Aktion!

Beim Abstieg treffen wir Obi, der uns entegegen gekommen ist.

Am nächsten Abend lassen wir den letzten Tag im KaraSu-Tal bei einem Lagerfeuer gemütlich ausklingen. Die russische Seilschaft, die ebenfalls am Odessa unterwegs war, setzt sich zu uns und wir verfallen in ein sehr interessantes Gespräch. Sie erzählen uns, dass wir sehr knapp an dem Geschwindigkeitsrekord für die Odessa Westwand dranwaren und, dass eine gute Seilschaft normalerweise sieben Tage für den Gipfel benötigt. Wir lachen über unsere sehr optimistische Zielsetzung, die Route in dreieinhalb Tagen zu schaffen und sind trotz der frühzeitigen Umkehr stolz auf unsere Leistung. Leider ist unsere Reise nun zu Ende, doch es wird nicht die letzte sein.

Danke an allen für die schöne Zeit!

Fotogalerie:

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„Ak-Kalpak“ (8a+) Little Asan – Kirgistan https://patricktirler.com/ak-kalpak-8a-little-asan-kirgistan https://patricktirler.com/ak-kalpak-8a-little-asan-kirgistan#comments Fri, 05 Aug 2022 08:56:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=334 Im Sommer 2022 reisen Moritz Sigmund und ich mit vier Freunden aus Südtirol nach Kirgistan ins Karavshin-Gebiet. Nach einer zweitägigen Anreise mit alten sowjetischen Jeeps über steile, ausgesetzte Passstraßen und einer achtstündigen Wanderung mit Eseln und Pferden erreichen wir das Basislager im KaraSu-Tal. Auf der Suche nach Abenteuern erkunden wir die gewaltigen Granitwände, von denen […]

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Im Sommer 2022 reisen Moritz Sigmund und ich mit vier Freunden aus Südtirol nach Kirgistan ins Karavshin-Gebiet. Nach einer zweitägigen Anreise mit alten sowjetischen Jeeps über steile, ausgesetzte Passstraßen und einer achtstündigen Wanderung mit Eseln und Pferden erreichen wir das Basislager im KaraSu-Tal. Auf der Suche nach Abenteuern erkunden wir die gewaltigen Granitwände, von denen wir kaum Informationen besitzen. Die folgende Geschichte erzählt von unserer Erstbegehung am Little Asan.

Ein kalter Wind bläst mir ins Gesicht. Meine Goretex-Jacke flattert und die Schlaghaken an meinem Gurt klirren mit meinen Bewegungen. Ich schaue nach unten und sehe unterhalb meiner Füße den letzten Nagel. Ein dünner Messerhaken in einer fast verschlossenen Verschneidung. Wohl kaum wird er einen Sturz halten. Die Sicherungen darunter schauen noch schlechter aus und der letzte gute Friend ist weit unten. Ich beschließe, nicht länger darüber nachzudenken und konzentriere mich auf meine Füße. Die Spitzen meiner Kletterschuhe stehen auf kleinen Tritten und drohen jeden Moment abzurutschen. Ich kralle meine Fingerkuppen in die winzigen Granitleisten und suche nach Griffen. Doch alles über mir ist glatt und meine Finger finden keinen Halt.

Aus Verzweiflung nehme ich einen Haken vom Gurt und setze ihn in einen schmalen Riss. Doch schon nach zwei Hammerschlägen erwidert der Haken dumpfe Geräusch. Es hat keinen Sinn. Ich muss klettern. Plötzlich entdecke ich links von mir einen Felsvorsprung und wittere meine Chance. Mit allerletzter Kraft schraube ich die Leisten zu und strecke meine Fußspitze zum Band. Langsam belaste ich den neuen Tritt und versuche mein Körpergewicht zu verlagern. Meine volle Konzentration gilt nun dem Tritt und jegliche Bedenken an einen ungemütlichen Sturz sind verschwunden. Ich ertaste mit meiner linken Hand die Wand hinter der Kante und kann mein Glück nicht fassen, als meine Finger in einen Riss versinken. Jubelnd richte ich mich auf und schwinge hinter die Kante. Die erste schwere Seillänge wäre geschafft.

Bereits seit heute Morgen sind Moritz und ich nun unterwegs, um die wohl offensichtlichste Linie im ganzen Tal zu begehen. Da die gewaltige 150 Meter lange Verschneidung weder in unseren Topos noch in den Topos unserer russischen Basecamp-Freunde zu finden ist, hoffen wir auf eine Erstbegehung. Mit schweren Rucksäcken starteten wir vom Basecamp und erreichten nach einer Stunde das Materialdepot von Mo und Lisi. Mit Schrecken bemerkten wir, dass Mo und Lisi nach ihrem gescheiterten Versuch, den Odessa zu besteigen, wohl so durch den Wind gewesen waren, dass sie die Seile mitten in einen ausgetrockneten Bachbrett deponiert hatten. Die Regenfälle der letzten Tage führten natürlich dazu, dass die Seile komplett nass waren.

Beim Einstieg angekommen, erlebten wir dann die nächste Enttäuschung. Die ganze Verschneidung ist übersät von Bohrhaken. Was für eine Schande, vor allem weil die Linie mit großen Friends clean möglich wäre. Nach kurzem Überlegen schweifen unsere Blicke zu einer auffallenden Schuppe weiter links in der Wand. Wir hatten diese extrem kühne Linie bereits vor ein paar Tagen als unmöglich eingestuft, doch in diesem Moment nahm unser Optimismus die Überhand und so standen wir kurze Zeit später am Stand nach der leichten Einstiegslänge.

Mit dünnen Haken, kleinen Friends und Microkeilen bewaffnet stieg Moritz in eine steile abweisende Verschneidung ein. Die Wände links und rechts sind glatt und noch feucht vom Regen. Der Riss in der Mitte ist an manchen Stellen gerade breit genug für eine fragliche Sicherung. An Freiklettern ist nicht zu denken. Meter für Meter arbeitete sich Moritz technisch nach oben. Als die Verschneidung nach etwa 20 Metern in eine Sackgasse zu enden schien, ließ Moritz sich völlig erschöpft zum Stand herab und übergab mir die Führung.

Ich hänge nun hier am Stand und beobachte Moritz beim Nachklettern. Die freie Begehung wird auf jeden Fall eine riesige Herausforderung, doch nun gilt es weiterzukommen. Die dritte Seillänge ist nicht so schwer und geht schnell. Ich bohre zwei Bohrhaken am Stand und schicke Moritz sofort in die nächste Länge. Etwa fünf Meter links von uns beginnt ein Riss, der uns wunderschöne Freikletterei verspricht. Doch eine senkrechte Platte trennt uns noch von unserem Ziel und bildet das große Fragezeichen unserer Linie.

Zu unserer Freude entdecken wir einige Leisten und aus den Fragezeichen wird ein Hoffnungsschimmer. Nach einigen gescheiterten Pendelversuchen wählt Moritz die Freiklettermethode und krallt sich an den abschüssigen Leisten fest. Mehrmals stürzt er ins Seil, doch er hat den Braten bereits gerochen und weiß, dass es möglich ist. Wieder und wieder sammelt er seine gesamten Kräfte und irgendwann erreicht er mit einem dynamischen Zug die rettende Leiste. Jubelnd versenkt er einen Friend und kämpft sich über den leicht grasigen Riss zu unserem nächsten Standplatz. Beim Nachklettern wird mir erst bewusst, wie schwer die Züge in der Traverse sind. Doch wir bleiben optimistisch und freuen uns auf die ersten Freikletterversuche.

Der Blick nach oben ist wie ein Blick ins Paradies. Eine 90°-Verschneidung mit einem perfekten Handriss pfeift kerzengerade nach oben, wo sich der Riss hinter einem Dach unserem Blickfeld entzieht. Da wir nur zwei Sätze Friends dabeihaben und der Riss von unten bis oben gleich breit ist, muss ich ständig auf und nieder klettern. Das Dach lässt sich in fantastischer Kletterei überwinden und schließt die Seillänge auf bester Weise ab. Da sich vom Tal bereits eine bedrohliche Gewitterwolke nähert, fixieren wir unser Statikseil, seilen ab, deponieren unser Material und laufen in schüttendem Regen zurück zum Basecamp.

Am nächsten Morgen stehen wir wieder am Einstieg, ziehen uns am Fixseil hoch und erreichen in kürzester Zeit den Umkehrpunkt von gestern. Bereits am Einstieg haben wir bemerkt, dass wir unser sorgfältig zubereitetes Brot im Basecamp vergessen haben. Drei Riegel sollen heute also unseren Hunger stillen. Einen davon haben wir schon verdrückt.

Die nächsten zwei Längen werden das Herzstück unserer Route bilden. Eine riesige Schuppe, bereits vom Weitem ersichtlich, durchzieht die aalglatte Granitplatte wie im Bilderbuch. In genialer Freikletterei genießen wir unser Glück und richten am Ende der Schuppe einen Stand an zwei Bohrhaken ein.

Das zweite große Fragezeichen steht nun bevor. Der Riss ist aus und wir stehen in der Platte. Unser ursprünglicher Plan über rechts zum nächsten Riss zu gelangen, wird von einer kahlen grifflosen Platte verhindert. Wir versuchen es über links. Fünf Meter über den Stand setzt Moritz einen guten Cliff, den er am liebsten als Sicherung verwendet hätte. Ich überzeuge ihn, einen Bohrhaken zu setzen und sichere ihn anschließend mit aufmerksamem Blick über einen langen Runout ins leichtere Gelände.

Von dort sollte man leicht hinter die Kante auf den Gipfelgrat kommen. Doch der Handriss über unseren Köpfen zieht uns an und wir wählen den Weg des größeren Vergnügens. So meinen wir zumindest. Kurz vor dem erlösenden Felsband wird der Handriss zu einen breiten Offwidth. Unsere Friends sind zu klein. Ich bin kurz vor dem Umdrehen, als ich einen möglichen Ausstieg über eine Traverse nach rechts bemerke. Ich klettere sofort los und bemerke erst auf halbem Weg, dass die Kletterei viel schwieriger ist als gedacht. Gerade in diesen Moment fängt es an, leicht zu regnen und meine Griffe werden mit jedem Tropfen rutschiger. Ich kann nicht mehr zurückklettern und ein Sturz ist inakzeptabel. Doch eine vorsichtige Flucht nach vorne rettet mich aus dieser unschönen Lage.

Auch die nächste Länge ist viel schwieriger als vom ersten Blick erwartet. Doch dank eines Bohrhakens und einiger Momente des Atemanhaltens gelingt uns auch diese letzte Länge und wir erreichen total ausgelaugt, aber überglücklich das wunderschöne Gipfelplateau des Little Asan auf zirka 3600m.

Am nächsten Tag, einem Pausentag im Basecamp, bekommen wir von unserem einheimischen Organisator einen traditionell kirgisischen Hut, einen Ak-Kalpak, geschenkt. Wir beschließen kurzerhand den Hut morgen bei unserem ersten Freikletterversuch mitzunehmen. Phillip Geisler, ein starker Kletterer aus Tirol, begleitet uns, weil sein Kletterpartner krank ist. An diesem Tag kann ich die erste Schlüsselseillänge frei klettern, allerdings mit bereits platzierten Sicherungen. Moritz und Phillip hingegen können die Züge in der zweiten Schlüsselseillänge entschlüsseln und kommen sehr knapp an einen Durchstieg.

Am Tag darauf gelingt mir auch diese Länge und wir schaffen auch alle weiteren Seillängen bis zum Gipfel zu befreien. Mit tiefster Zufriedenheit blicken wir auf unsere Linie und freuen uns darüber, die aktuell schwierigste Freikletterroute in Karavshin eröffnet zu haben.

Als Dank für die kirgisische Gastfreundschaft nennen wir unsere Route „Ak-Kalpak“, der für den Stolz und die Einigkeit der Kirgisen steht. Wir sind froh, in der stark vom technischen Klettern geprägten, russischen Bergsteigerkultur unsere Visionen vom modernen Freiklettern hinterlassen zu können und freuen uns schon auf die erste Wiederholung.

Routeninformationen:

„Ak-Kalpak“

Schwierigkeit: 8a+ (7b obligatorisch)

Länge: 280m, 11 Seillängen

Material: 2x BD#0.1-0.5, 3x BD#0.75-#2, 1x BD#3, Stopper

Abseilen über die Route (60m!)

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Bilder: Moritz Sigmund, Moritz Plattner, Patrick Tirler

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Commander Crack- Yellow Wall – Kirgistan https://patricktirler.com/commander-crack-kirgistan https://patricktirler.com/commander-crack-kirgistan#comments Thu, 21 Jul 2022 20:32:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=493 Im Sommer 2022 reisen Moritz Sigmund, Moritz Plattner, Elisabeth Lardschneider, Hannes Niederwolfsgruber, Alexander Obertimpfler und ich nach Kirgistan ins Karavshin-Gebiet. Nach einer zweitägigen Anreise mit alten sowjetischen Jeeps über steile, ausgesetzte Passstraßen und einer achtstündigen Wanderung mit Eseln und Pferden erreichen wir das Basislager im KaraSu-Tal. Auf der Suche nach Abenteuern erkunden wir die gewaltigen […]

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Im Sommer 2022 reisen Moritz Sigmund, Moritz Plattner, Elisabeth Lardschneider, Hannes Niederwolfsgruber, Alexander Obertimpfler und ich nach Kirgistan ins Karavshin-Gebiet. Nach einer zweitägigen Anreise mit alten sowjetischen Jeeps über steile, ausgesetzte Passstraßen und einer achtstündigen Wanderung mit Eseln und Pferden erreichen wir das Basislager im KaraSu-Tal. Auf der Suche nach Abenteuern erkunden wir die gewaltigen Granitwände, von denen wir kaum Informationen besitzen. Die folgende Geschichte hat Moritz Plattner im Basecamp geschrieben und erzählt von einem Erstbegehungsversuch an der Yellow Wall.

Yellow Wall

Text von Moritz Plattner

Teil 1: Große Träume 

Die internationale Klettercommunity reist an, um unsere neue Traumtour in der Yellow Wall zu begehen. Eine geniale Linie mitten durch den zentralen Teil der Wand. Beginnend mit tollen Verschneidungen und Rissen bis zum Band der “Diagonalen”. Dann einige leichtere Längen durch ein Risssystem zum ersten Highlight der Tour. Man kann sie bereits vom Wandfuß sehen. Eine gewaltige Untergriffschuppe, die sich zirka zehn Meter nach links zieht, bevor sie senkrecht nach oben immer schmaler wird und schließlich in eine glatte Wand endet. Etwa dreißig Meter weiter links jedoch befindet sich das zweite Highlight und der absolute Höhepunkt dieses fabelhaften Klettertraums. Ein kleiner Absatz mit einem Bäumchen und von dort aus das Unvorstellbare: ein 150 m langer, paradiesischer Handriss inmitten einer glatten rot-grauen Platte. Er schlängelt sich durch die gesamte Headwall bis zum Ende der Wand: ein TRAUM!

Headwall: Gut ersichtlich die Schuppe, der Riss und die glatte Platte dazwischen.

Um den Riss zu erreichen, muss nur noch die 30m-Traverse von der großen Schuppe zum Baum eingerichtet werden. Eine Pendeltraverse in 300 Meter Höhe macht diesen glatten Teil der Wand überwindbar. Vielleicht ist es sogar möglich, die Traverse eines Tages frei zu klettern. Erinnerungen zur Dawn-Wall werden wach. Soweit zumindest unsere Vorstellungen am Abend vor dem Aufbruch ins Ungewisse. 

An Motivation und Abenteuerlust fehlt es Patrick und mir schon mal nicht. Angestachelt von Motz beschließen wir, die gut studierte und ausgeguggerte Linie in Angriff zu nehmen. Das Material dafür haben wir sicher auch dabei. Die Handwaage zeigt das Gewicht der zwei Haulbags gar nicht mehr an… Trotzdem schinten wir in der ärgsten Vormittagshitze in Richtung Wandfuss. 

Yellow Wall mit Silver Wall im Hintergrund

Eine große Verschneidung bildet den logischen Einstieg des unteren Teils der Route. Als wir etwas weiter rechts in einer glatten Platte einen Bohrhaken entdecken, wundern wir uns bereits, ob es möglicherweise doch mehr Routen gibt, als gedacht. Es soll aber ja nur der Einstieg in die spektakulären oberen Längen bieten. Wir folgen der Verschneidung und planen den ersten Stand auf einem Pfeiler. 60 Meter sollten sich ausgehen, dachten wir. Doch erst nach zwei fast 60 Meter langen Seillängen erreichen wir den Pfeiler und wissen bereits, dass es wohl ein anstrengendes Unterfangen wird.

Der Zustieg hat uns bereits total ausgelaugt und war nur unter der Vorstellung, der auf uns wartenden Köstlichkeiten aus bestem Granit, auszuhalten. Die Sonne kennt kein Erbarmen und brät auf uns herab, und dann noch das schwere Gepäck. Nur mit vollem Körpereinsatz lässt sich der 140l Haulbag bewegen, wenn der Sack nicht gerade wieder unter einer Kante hängen bleibt. Zumindest die Kletterei entspricht unseren Vorstellungen. Schöne Rissverschneidungen, die man alle clean bewältigen kann. An den Ständen finden sich immer 1-2 Bohrhaken einer bereits eröffneten Tour.

Das Klettern und Haulen nimmt dabei aber viel Zeit in Anspruch und bald erreicht uns der langersehnte Schatten. Das Voranschreiten bleibt aber, dank eines von mir ausgelösten Fauxpas, stockend. Ich vergesse meine Kletterschuhe an einem Stand und muss 50m abseilen und wieder aufsteigen. Im Anschluss kommt es wie es kommen muss: Das Seil steckt fest und Patrick kommt um den 50m Jumargenuss auch nicht davon. Von nun an läuft es aber besser und wir erreichen, bevor es dunkel wird, noch einen Stand am Band, wo wir unser Portaledge aufspannen und gemütlich Abendessen können.

Streng befolgen wir die Anweisungen der Fertignahrung. Sobald wir den Teil “umrühren” erreichen, fällt uns auf, dass wir kein Besteck eingepackt haben: ein Klassiker! Dafür haben wir genügend sonstiges Material heraufgeschleppt. Unter dem ganzen Zeug gewinnt der Schraubenschlüssel das Casting. Nur für die Suppenvorspeise fallen uns Defizite auf.

Beim Durchforsten des Haulbags ist es erstaunlich hell im Inneren des Sacks. Anscheinend hat der Rucksack auch gelitten. Bereits bei seinem zweiten Einsatz wurde er von den scharfen Granitkanten mehrmals durchlöchert. Das Überzelt haben wir umsonst dabei. Milde Temperaturen und kein bisschen Wind ermöglichen es, unter freiem Himmel und einem atemberaubenden Sternenhimmel zu übernachten.

Von der Sonne geweckt nach einer wunderschönen Nacht

Am nächsten Tag weckt uns die Wärme der Sonne. Zuerst als angenehm empfunden, entwickelt sich die Hitze schnell wieder zur Qual. Nach einem ausgiebigen Frühstück klettern wir immer näher an die Schuppe heran. Wir entscheiden uns, das Portaledge am Band zu lassen, um Gewicht zu sparen. Das Haulen fällt uns viel leichter.

Die Kletterei hingegen wird steiler und ich kämpfe mich die erste Länge über hohle Schuppen und Handrissen empor. Nun finden wir keine Bohrhaken mehr und bauen auch die Stände nur mit Friends. Zehn Meter unter der Schuppe errichtet Patrick einen herrlich unangenehmen Hängestand, in dem ich die nächsten Stunden verbringen darf.

“Commander Patrick”, wie ihn unsere kirgisischen Freunde nennen, kämpft sich den ersten Riss zur Schuppe hoch, bemerkt aber schnell, dass unser Material (1x5er und 6er Friend) niemals ausreichen wird. Mindestens 3-4x 6er-Friends wären nötig, um dieses Monster zu bezwingen. Zudem befinden sich im Inneren des Risses kleine, brüchige Gesteinsbrocken, die mich im darunterliegenden Hängestand zum Bombenopfer machen. In der Not beschließen wir einen Bohrhaken zu setzen. Auch das bringt keinen Durchbruch und wir beschließen nach dem dritten Bohrhaken den Rückzug einzuleiten, da wir nicht gekommen sind, um die gesamte Schuppe hochzubohren.

Die Schuppe am Beginn der Headwall

Auf einer benachbarten Tour seilen wir ab, nach einem kräftezehrenden Abstieg ins Basecamp, finden wir uns zum Abendessen ein und erzählen von unserem Abenteuer. Die Geschichte entspricht zwar nicht ganz unseren, zu Beginn geschilderten Erwartungen, trotzdem wirken unsere Kameraden bestens amüsiert.

Teil 2: Besessenheit (10 Tage später)

Der Riss in der Yellow Wall lässt mich nicht mehr los. Eines Nachts träume ich sogar, dass Hannes es bis in die zweite Seillänge schafft. Weil das Wetter nur Tagestouren zulässt und Lisi sich als motivierte Kletterpartnerin bereitstellt, wollen wir einen neuen Anlauf wagen, den Riss zu erreichen. Wir klettern diesmal ohne schweres Gepäck über die Diagonale unter die Headwall. Hier folgen wir der ersten Länge, die Patrick und ich erstbegangen haben.

Heute fühlt sich diese Länge schon deutlich angenehmer an. Unser Plan geht auf und wir können noch vor dem nächsten Stand über eine Plattentraverse zum Stand der benachbarten Route queren, über die Patrick und ich uns bei unserem vorherigen Versuch abseilten. Nun versuchen wir über diese Route zum Baum und somit zum vielversprechenden Riss zu gelangen. Doch weit kommen wir nicht.

Lisi bewältigt einige heikle Plattenstellen, kommt aber nach zwei Bohrhaken nicht mehr weiter. Eine blanke Stelle verhindert jegliches Weiterkommen. Auch mein Versuch bringt keinen Durchbruch. Doch ich entdecke eine kleine Drahtöse eines befestigten Copperheads. Nur kann ich diese um einen Meter nicht erreichen. Das Wetter schlägt um und wir seilen ab.

Die erste Seillänge in der Headwall. Im Hintergrund die Rampe der Diagonalen.

Im Basecamp wägen wir unsere Optionen ab. Einer der Tiroler Kletterfreunde schlägt vor, den Copperhead mit Hilfe eines Wanderstocks einhängen, als improvisierten Clipstick. Begeistert von dieser Idee steigen Lisi und ich am nächsten Tag mit Patricks Wanderstock im Gepäck erneut zur Yellow Wall. Schnell erreichen wir den Highpoint von gestern. Nach zwanzigminütigen Fummeln und etlichen Strategieanpassungen gelingt es mir tatsächlich, die Öse des Copperheads einzuhängen. Doch die Freude hält nur kurz. Bei geringster Belastung verabschiedet sich die Absicherung von seiner Verankerung und bricht aus.

Zum Glück haben wir aber noch eine Alternative im Hinterkopf. Die Idee der Pendeltraverse lässt mich nicht los und ich klettere zurück zum Stand. Dort reversiere ich den Plattenquergang und steige die brüchige Schuppe hoch, in Richtung der großen Schuppe, die Patrick und mich zum Umdrehen gezwungen hat. Mit zwei 6er Friends und technischer Kletterei erreiche ich mit Mühe den letzten gesetzten Bohrhaken. Lisi lässt mich etwa 8 Meter ab und schon laufe ich über die kompakten Platten hin und her. Mit viel Schwung erreiche ich eine enge, schräge Rampe knapp über dem Copperhead.

Doch die Schwierigkeiten lassen entgegen unseren Erwartungen nicht nach. Die Rampe ist sehr schmal und es gibt nur kleinste Schwachstellen, um mich festzuhalten. Bald wird mir klar, dass ich den nächsten Bohrhaken nicht frei erklettern kann und ich bitte Lisi mir ihren Cliff zukommen zu lassen. Kurz darauf hänge ich in einem fragwürdigen Cliff und bereite mich auf einen überraschenden Sturz vor. Glücklicherweise hat Lisi noch ihre drei Klemmkeile mit, von denen zwei dieselbe Größe haben. Doch der kleine goldene Keil lässt sich nach etwas Säuberung zu zwei Drittel in einer Rissstruktur versenken. Langsam belaste ich ihn und kann den Cliff langsam etwas versetzen. Alles hält und ich erreiche einen Griff, von dem ich einen Bohrhaken einhängen kann.

Leider sind die Expressschlingen bereits aufgebraucht und ich muss Friends als Expressen zurücklassen. Mental angeschlagen betrachte ich die erreichte Hakentraverse nach links. Mit viel Kreativität und technischer Improvisation hangle ich mich von einem Bohrhaken zum nächsten. Nach einem weiteren Pendler und unendlich verscherbelten Nerven ziehe ich mich technisch nach oben in Richtung Busch, der nach über zwei Stunden in der Seillänge in Reichweite scheint.

Es benötigt aber noch weitere Säuberungen eines schmalen Risses in einem brüchigen Dach und Nachversorgung mit Friends um einen guten Riss zu erreichen, aus dem der vielversprechende Busch herauswächst. Mit letzter Kraft bezwinge ich die lähmende Seilreibung und erreiche den eingerichteten Stand. Geschafft, aber total am Ende.

Nun ist Lisi am Zug. Der Nachstieg erweist sich als ähnlich spektakulär und nervenaufreibend. Die extreme Seilreibung, Quergänge und Pendelaktionen fordern Lisi alles ab. Doch sie lässt sich nicht lange fuchsen und springt zu meiner Verblüffung unbeeindruckt immer wieder viele Meter ins Seil oder pendelt in brüchiges Gelände.

Am Stand angelangt, verspüren wir gemischte Gefühle. Wir sind uns einig, dass es wohl keinen Sinn macht weiter zu klettern. Es ist spät und wir sind mentale Fracks. Wir sind nur 30m Luftlinie weiter gekommen als am Vortag und haben den Riss immer noch nicht geklettert. Trotzdem erlebten wir ein wildes Abenteuer und konnten unsere zwei Pläne mit dem improvisierten Clipstick und die Pendeltraverse erfolgreich umsetzen. Wir beschließen, dass das Abenteuer mehr Wert als ein Gipfelerfolg ist, und machen uns guten Gewissens und völlig erschöpft auf den Rückweg zum Basecamp. Commander Patrick wäre stolz auf uns.

Rot: Bereits existierende Route (clean, Standplätze mit Bohrhaken), geklettert am ersten Tag des ersten Versuchs (Patrick und Moritz); Gelb: Erstbegehung am zweiten Tag des ersten Versuchs, Umkehr bei der Schuppe; Grün: technische Route mit Copperheads; Blau: Routenverlauf des letzten Versuchs, Pendelquergang und dann technische Kletterei auf der bereits existierenden Route, Umkehr beim Beginn des Commander-Cracks
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„Via tl vent“ (VIII+) Villnösser Rotwand https://patricktirler.com/via-tl-vent-viii-villnoesser-rotwand https://patricktirler.com/via-tl-vent-viii-villnoesser-rotwand#respond Sun, 27 Jun 2021 19:27:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=281 27.06.2021 – eine Route von Alex Waldpoth und Titus Prinoth – mit Moritz Sigmund Die Villnösser Rotwand hatte schon seit Langem einen Platz in meiner Ideensammlung reserviert. Majestätisch und furchteinflößend ragt sie mit einer unglaublichen Steilheit aus dem Seceda-Plateau. Man findet kaum Informationen über die Routen und etwaige Wiederholungen. Als wir neulich Titus beim Sportklettern […]

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27.06.2021 – eine Route von Alex Waldpoth und Titus Prinoth – mit Moritz Sigmund

Die Villnösser Rotwand hatte schon seit Langem einen Platz in meiner Ideensammlung reserviert. Majestätisch und furchteinflößend ragt sie mit einer unglaublichen Steilheit aus dem Seceda-Plateau. Man findet kaum Informationen über die Routen und etwaige Wiederholungen. Als wir neulich Titus beim Sportklettern trafen, bemerkte er ganz nebenläufig, dass seine Routen in der berüchtigten Rotwand eine Wiederholung bräuchten. Seiner Zurückhaltung zufolge, wusste er genau, was uns erwarten würde und wir konnten es erahnen. Doch wir verdrängten es, um dem Abenteuer mit vollem Optimismus entgegenzufiebern.

Nachdem wir am Samstag die Alpinklettersaison am Meisules gestartet haben, war es am Tag darauf so weit. Die Routenwahl fiel auf die „Via tl Vent“, da sie mit 8+ zu einer der leichteren Routen zählt und wir glaubten den Schwierigkeitsgrad locker zu beherrschen. Wir trafen uns um 7:30 am Parkplatz in St. Christina und marschierten los. Drei Seile, Friends, Hammer und Nägel erschwerten die Rucksäcke deutlich. Moritz rannte regelrecht voraus, sodass ich Schwierigkeiten hatte ihm zu folgen. Mit jedem Schritt wuchs bei mir der Eindruck, dass Moritz wohl absichtlich einen kleinen Rucksack mitnahm, um ein paar Kilo Material zu entgehen. Schlussendlich stellte sich jedoch heraus, dass mein doppelt so großer Rucksack, nur kaum schwerer war als seiner. Auf den letzten Metern zur Panascharte begleitete uns Elisabeths Vater Egon musikalisch mit seinem Alpenhorn von der Almhütte aus. So erreichten wir nach eineinhalb Stunden durchgeschwitzt und motiviert den Einstieg. Wir dachten schon, mit dem ausgesetzten Quergang zum Einstieg das Gefährlichste geschafft zu haben, doch wir sollten uns täuschen.

Über unseren Köpfen erstreckte sich die mächtig überhängende Felswand und wir konnten erstmals das wahre Gesicht der Villnösser Rotwand erkennen. Die Wildheit, der brüchige gelbe Fels und die zahlreichen Dächer ließen uns für einen Moment verstummen. Doch wir ließen uns nicht einschüchtern und starteten voller Abenteuerlust in die erste Seillänge. Ohne große Probleme erreichte ich, über sandige Griffe, den ersten Stand und freute mich, als ich nur einen Nagel erblickte. Mit zwei Friends und dem Nagel baute ich einen zuverlässigen Stand und bewunderte den minimalistischen und sauberen Stil der zwei Grödner.

Doch bereits in der nächsten Seillänge kamen wir ins Stocken. Ein langer seitlich verlaufender Riss nahm kaum verlässliche Zwischensicherungen auf und Haken waren auch keine vorhanden. Kurz vor dem Stand griff Moritz aus Angst vor einem ungemütlich, langen Sturz zum Hammer und versenkte einen Haken. Ich konnte seine Entscheidung im Nachstieg gut nachvollziehen und nahm den Haken wieder mit, um ja keine Spuren zu hinterlassen. Beim Stand angekommen verstand ich, warum Moritz beim Standbau fluchend herumbastelte. Ich verstärkte mit zitternden Händen den Stand mit einen Friend, um meine Nerven zu beruhigen.

Ich war froh als ich den Stand verlassen konnte, um die erste Schlüsselseillänge in Angriff zu nehmen. Doch nur wenige Meter später wünschte ich mir, dass ich den Stand nie verlassen hätte. Ein Dach versperrte den Weg in die senkrechte Platte. Nur mit Mühe gelang es mir die erste Zwischensicherung einzuhängen. Als ich die bereits gefädelte Sanduhr näher betrachtete rutschte mir das Herz in die Hose. Die Sanduhr bestand aus zwei Schuppen, die jeden Moment auszubrechen drohten. Der Spalt dazwischen war gerade noch schmal genug, dass die Kevlarschnur nicht durchrutschte.

Ich wollte so schnell wie möglich weiterklettern, doch die Griffe waren schlecht und ein rettender Henkel war nicht in Sichtweite. Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als mit einem Stoßgebet in die Sanduhr zu sitzen, um meine aufgeblasenen Arme zu entlasten. Mit einem Puls, jenseits des normalen Werts, holte ich meinen kleinsten Messerhaken vom Gurt und begann mit behutsamen Schlägen eine BackUp-Sicherung anzubringen. Mit neuer Kraft und leicht beruhigten Nerven startete ich einen neuen Versuch und erreichte schließlich ein gutes Loch, wo ich einen bombenfesten Friend platzierte.

Die Angst aus der vorigen Stelle saß mir jedoch schon zu tief in den Knochen, um unbekümmert weiterzuklettern. In weiter Ferne sah ich die nächsten Sicherungsmöglichkeiten und dazwischen bot der etwas brüchige Fels nur wenige, und vor allem schlechte Griffe und Tritte. Jeder Rettungsversuch zur nächsten Sanduhr endete mit einem Rückzug, aus Angst vor einem Sturz. Im Nachhinein ärgerte ich mich, dass ich nicht doch etwas mehr riskiert habe, da ein Sturz in dieser steilen Wand bei akzeptablen Zwischensicherungen keine schwerwiegenden Folgen gehabt hätte. Außerdem hätte ein schöner Sturz ins Freie sicher viel Spannung abgenommen.

Als ich es schließlich doch zur nächsten Sicherung schaffte, begann von dort das Spiel wieder von neuem. Ab und zu erkundigte sich Moritz, der nun schon eine Ewigkeit ohne Sichtkontakt im ungemütlichen Hängestand verharren musste, nach der aktuellen Lage. Ich versuchte mich zu beeilen und war heilfroh als ich etwas bessere Griffe zu Greifen bekam. Der letzte Haken war schon weit unter den Füßen als ich verzweifelt versuchte einen Friend in ein großes offenes Loch unterzubringen. Nur eine Hälfte des Klemmgeräts wurde belastet, die andere schwebte frei in der Luft. Einen Bremser wird es schon machen, dachte ich mir und peilte das schmale Band, wo ich den Stand vermutete, an. Allerdings lag ich falsch.

Die Seillänge war noch nicht zu Ende. Die Platte über dem Band war wieder deutlich glatter und schwieriger. Nach einigen Versuchen gab ich schließlich auf. Meine Nerven waren blank. Nervös suchte ich nach einer Möglichkeit einen provisorischen Stand zu bauen. Ich konnte mein Glück nicht fassen, als ich eine kleine Sanduhr erblickte. Zur Verstärkung versenkte ich noch zwei Haken und überbrachte Moritz die lang ersehnte Botschaft.

Nachdem sich ein riesiger Seilknoten endlich auflöste, setzte er zum Nachstieg an und staunte nicht schlecht, als erstmals hinter die Ecke blickte. Wir waren nun bereits vier Stunden in der Wand. Unser Notfall-Hakensortiment war aufgebraucht und der Gipfel war noch in weiter Ferne. So fiel uns die Entscheidung die Tour abzubrechen überhaupt nicht schwer. Das Seil reichte zwar nicht vollständig auf den Boden, doch wir spekulierten darauf, dass wir durch die Seildehnung den Boden mit einem Abseiler erreichen. Wir hatten Glück, denn ein Wiederrauf-Prusiken wäre äußerst mühsam gewesen.

Am Boden war die ganze Anspannung der letzten Stunden plötzlich weg und wir lachten über unser Scheitern. Alex und Titus hätten sich wohl prächtig amüsiert, wenn sie uns gesehen hätten. Doch wir waren froh wieder heil am Boden zu sein und unsere erste, und wahrscheinlich nicht die letzte Erfahrung in der Villnösser Rotwand gemacht zu haben.

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AVS Projekt Alpinist: Fast vergessene Kletterrouten im Rosengarten https://patricktirler.com/avs-projekt-alpinist-ein-wochenende-auf-fast-vergessenen-kletterrouten-im-rosengarten https://patricktirler.com/avs-projekt-alpinist-ein-wochenende-auf-fast-vergessenen-kletterrouten-im-rosengarten#respond Sun, 13 Sep 2020 08:17:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=306 Als ich Mitte Juni einen Anruf von Stefan, einem der treibenden Kräfte des Projekt Alpinist, bekam und gefragt wurde, ob ich Lust hätte zusammen mit anderen starken Kletterern einige vergessene Routen am Rosengarten wiederzubeleben, war ich sofort motiviert: Alte, vergessene Alpintouren klingt nach wilden Abenteuern und das Projekt Alpinist ist immer eine gute Möglichkeit, neue […]

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Als ich Mitte Juni einen Anruf von Stefan, einem der treibenden Kräfte des Projekt Alpinist, bekam und gefragt wurde, ob ich Lust hätte zusammen mit anderen starken Kletterern einige vergessene Routen am Rosengarten wiederzubeleben, war ich sofort motiviert: Alte, vergessene Alpintouren klingt nach wilden Abenteuern und das Projekt Alpinist ist immer eine gute Möglichkeit, neue Seilpartner kennenzulernen. So kam es, dass sich an einem Freitagmorgen im September neun junge Alpinisten am Parkplatz des Paolina-Lifts trafen. Wie Kinder zu Weihnachten stürzten wir uns auf die Nägel, die uns der AVS für das Wochenende zur Verfügung stellte. Schnell noch die Routen aussuchen, einen neuen Hammer am Asphalt des Parkplatzes testen und dann saßen wir auf schon auf dem Sessellift zur Paolina-Hütte.

Für den ersten Tag mussten wir uns noch etwas bremsen, da wir abends noch zur Bergler-Hütte aufsteigen und nicht gleich das ganze Pulver auf einmal verschießen sollten. Zwei Dreierseilschaften starteten zur Westwand der Rotwand und stiegen die „Dibona“ sowie die „Eisenstecken“ ein. Martin, Jovi und ich hingegen nahmen den etwas längeren Zustieg zur Mugoni Südwand in Kauf, um die dortige „Eisenstecken“ zu versuchen. Highlight des Tages war der überhängende, mit VI bewertete Kamin in der fünften Seillänge, der Martin und mir großen Spaß bereitete. Jovi, der sich auf kleinen Leisten wohler fühlt, war da anderer Meinung und hatte noch in der folgenden Nacht mit Albträumen zu kämpfen.

Kurz bevor die äußerst gewagte Linie, die von Otto Eisenstecken und Gefährten im Jahre 1946 erstbegangen worden war, in eine Sackgasse zu enden scheint, quert eine Hakenleiter über eine exponierte Platte nach rechts und löst die Schwierigkeiten auf. Etwa 3 Meter unterhalb der Originallinie und somit außerhalb der Reichweite zu den Haken ist die Schwierigkeit mit VIII- angegeben. Ich versuchte mich an der direkten Variante über die kompakte Platte und musste schlussendlich jedoch den Freiklettergedanke aufgeben und in die Techno-Trickkiste greifen. Beim Abstieg träumte Martin schon davon, während der Liftfahrt die Beine baumeln lassen zu können.

So dauerte es nicht lange, bis wir wieder alle zusammen auf dem Parkplatz die restlichen Nägel in die Rucksäcke schaufelten. Inzwischen ist Johannes mit einem riesigen Rucksack zu uns dazu gestoßen, um uns anschließend den anstrengenden Zustieg zur Bergler-Hütte hochzujagen. Von ihm stammte die Idee der Aktion und ihm war zusammen mit Manuel und Max zu verdanken, dass sich auf der Hütte bereits genügend Wasser und Lebensmittel befanden.

In der Hoffnung am nächsten Tag mehr Nägel versenken zu müssen, fiel die Routenwahl für den Samstag auf deutlich weniger begangene Routen. Die zwei Puschtra Gabriel und Manuel einigten sich mit Martin auf die „Rosalpina“, welche im Führer als unwiederholt gilt. Manuel und Max aus Tiers entschieden sich zusammen mit Bergführer Thomas für die „Craxi bis Crack“. Alex und ich hingegen überzeugten Jovi für die „Sebastiankante“. Johannes hingegen räumte noch die Hütte auf und wartete auf Stefan, der direkt vom Meerurlaub zu uns nachkam.

Das Wetter war, bis auf einer Nebeldecke im Tal, wunderschön und sollte den ganzen Tag so bleiben. Jovi jedoch hatte wohl nicht seinen besten Tag erwischt und musste sich in der zweiten Seillänge dafür entscheiden abzuseilen und sich Stefan und Johannes anzuschließen. Alex und ich kletterten, auf dem erstaunlich guten Fels, weiter bis zur Schlüssellänge. Alex wollte schon zur leichteren Umgehungsvariante ansetzen und sich damit vor den überhängenden Hand-Riss drücken, als ich ihn mit einem herausfordernden Kommentar zurück in die logische Linie schickte. Als ich anschließend mit beiden Händen und einem Rucksack auf dem Rücken im Riss festklemmte, bereute ich mein blödes Gerede sofort. Doch irgendwie schafften wir es bis auf dem vorgelagerten Pfeiler, auf dem die Route endet. Für eine Rückkehr war es noch zu früh, daher entschieden wir uns kurzerhand auf der Hinterseite einmal abzuseilen und dann über einer dreckigen und nassen Verschneidung zum Gipfel zu klettern.

Auf der Santnerpass-Hütte trafen wir auf die Restlichen der Gruppe. Beim Anblick von Manuels blutigen Knien und zerrissenen Hosen konnte man glauben, er sei dem königlichen Schwert von König Laurin in die Quere gekommen. Schlussendlich stellte sich heraus, dass ihre Route („Craxi bis Crack“) vollen Körpereinsatz verlangte. Beim Abstieg ärgerte sich Martin noch über die unnötigen Bohrhaken und der Linienkollision von der benachbarten Sportkletterroute und so erreichten wir schnell wieder den Einstieg. Inzwischen hat sich die Wand in einem märchenhaften rötlichen Licht verwandelt und schenkte uns einige Inspirationen für den nächsten Tag. Leider verließen uns die drei fitten Alpinisten aus dem Pustertal schon an diesem Abend und auch Manuel flog am nächsten Morgen mit seinem Paraglider nach Hause. So blieben wir nur noch zu siebt.

Martin und Max setzten sich für den Sonntag die für ihre Wildheit bekannte Hasse-Schrott auf dem Delagoturm zum Ziel. Mit den restlichen Normalhaken wollten sie den berüchtigten Vorbau für etwaige Nachfolger etwas entschärfen, was ihnen dann auch gelang. Stefan wurde von Alex und Johannes zum Klassiker „Similde“ überredet und ich konnte Thomas motivieren, die „Lomberda“ zu probieren.

Schon die erste Länge, der total unbekannten 4-Seillängen-Route stellte sich als wunderschöne Plattenkletterei auf Fingerlöchern und Leisten im besten Dolomit heraus. Die zweite Seillänge ist mindestens genauso schön und aufgrund der relativ weiten Hakenabstände zwingend frei zu klettern. Nach einem langem Sturz ins Seil startete ich einen zweiten Versuch vom Stand weg, doch auch dieser war nicht genug für eine freie Begehung. So kletterten wir mit einem weiteren offenen Projekt im Hinterkopf weiter und querten zur Headwall der Laurinswand.

Dort stiegen wir unter direkter Beobachtung unserer Freunde, die bereits auf der Santnerpasshütte ihren Strudel genossen, in die „Marco dal Bianco – Führe“ ein und erreichten nach weiteren vier Seillängen einen Stand mit einem alten Wandbuch. Die Freude war groß, als wir sahen, dass der letzte Eintrag schon über 50 Jahre her ist.

Kurze Zeit später saßen wir alle zusammen bei der Hütte und tauschten unsere Erlebnisse bei einem leckeren Apfelstrudel aus. Glücklich und zufrieden können wir auf drei schöne und abenteuerliche Tage zurückblicken und freuen uns schon auf die nächste Aktion mit dem Projekt Alpinist.

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Bilder: Martin Dejori

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„Vinatzer/Messner“ (VI+) Marmolada Südwand https://patricktirler.com/vinatzer-messner-vi-marmolada-suedwand https://patricktirler.com/vinatzer-messner-vi-marmolada-suedwand#respond Mon, 17 Aug 2020 20:06:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=127 Marmolada Südwand – 17.08.2020 – mit Filip Schenk Freitag 16:00 Uhr. Wir trafen uns in St. Christina und fuhren zum Fedaiapass. Dort versteckten wir ein Fahrrad zwischen den Latschen und fuhren dann weiter nach Malga Ciapela. Bei der Talstation der Seilbahn parkten wir und gingen in Richtung Marmolada Südwand. Unser Ziel war das Biwak am […]

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Marmolada Südwand – 17.08.2020 – mit Filip Schenk

Freitag 16:00 Uhr. Wir trafen uns in St. Christina und fuhren zum Fedaiapass. Dort versteckten wir ein Fahrrad zwischen den Latschen und fuhren dann weiter nach Malga Ciapela. Bei der Talstation der Seilbahn parkten wir und gingen in Richtung Marmolada Südwand. Unser Ziel war das Biwak am Ombrettapass. Als wir jedoch bemerkten, dass sich das Biwak weit ober den Einstieg befindet, entschlossen wir uns auf den Wiesen unter der Südwand zu schlafen. Unter einem Steinblock fanden wir einen geraden und geschützten Platz. Dort verspeisten wir unseren Nudelsalat und studierten das Topo.

Die Nacht war extrem kalt und ich hatte nur einen sehr dünnen Schlafsack mit. Den Biwaksack und eine Isomatte hatte ich aus Gewichts-/ und Platzgründen zuhause gelassen, denn ich rechnete damit, im Biwak zu schlafen. Voll bekleidet und mit kalten Zehen überstand ich jedoch die Nacht, ohne wirklich geschlafen zu haben und freute mich, als um 3:45 der Wecker klingelte. Beim Zustieg zur Wand wurde mir wieder ein wenig warm, auch wenn es für die Jahreszeit sehr kalt war. Am Einstieg hatte ich von den 2,5 Litern Wasser, die ich mitnahm, noch 2 Liter übrig, sodass ich einen Liter ausleerte, um den Rucksack ein wenig zu erleichtern.

5:00 Uhr. Noch im Dunkeln startete ich mit eiskalten Fingern in den Kamin der ersten Seillänge. Nach einem kurzen Umweg in der zweiten und dritten Seillänge ging es problemlos weiter. Die Stirnlampen haben wir inzwischen schon in den Rucksack gepackt, denn es war bereits hell. Der Himmel war jedoch bewölkt und die Sonne zeigte sich nie. So war es deutlich kälter als erwartet und wir waren froh, um jede Jacke die wir mithatten. Ohne größere Probleme erreichten wir gegen 11 Uhr das Band in der Mitte der Wand, wo wir zum ersten Mal einen Riegel aßen und etwas tranken. Vom Band weg startet nun der Messner-Direktausstieg, bei einem etwas brüchig erscheinendem Dach, das überwunden werden muss. Von dort führen einige leichte Seillängen, die wir mithilfe einer Microtraxion zusammenhingen, zu den bekannten Platten. Nach 5 Seillängen im zweiten Teil holten wir eine italienische Dreierseilschaft ein, die Schwierigkeiten bei der Seillänge nach der zweiten Nische hatte. Nach längerem Warten durften wir sie überholen und fixierten ihnen ein Seil am Stand. Die sichtlich entspannten Italiener rauchten inzwischen einen Joint.

Von dort führt eine mit 6- bewertete Länge leicht schräg nach rechts zu einem Stand an einer Sanduhr. Erst am nächsten Tag erfuhren wir, dass der richtige Stand weitere 20m weiter rechts gewesen wäre und uns viele Probleme in den nächsten Stunden erspart hätte. Doch alles stimmte mit dem Topo überein und so kletterten wir weiter nach oben. Auch der nächste Stand unter einer überhängenden gelben Wand war schon eingerichtet. Die nächste Seillänge sollte mit 7- die Schlüssellänge sein und mit zahlreichen Nägel abgesichert sein. Doch die Wand über uns war deutlich schwieriger und wir sahen nur einzelne Haken mit Karabinern, die darauf hindeuteten, dass hier abgeseilt wurde.

Wir verbrachten lange damit, die gesamte Wand links und rechts davon abzusuchen, doch bis auf ein paar Verhauernägel fanden wir nichts. Unsere Sicht war im Nebel stark eingeschränkt und ich machte mir ernsthafte Sorgen, ob wir es heute noch auf den Gipfel schaffen. Schließlich querten wir weit nach links, wo ich einige Nägel fand und das Gelände etwas leichter war. Ich folgte einen Riss und schaffte es einen Stand nach dem anderen zu bauen, bis ich schließlich zu einem eingerichteten Stand kam. Filip hat den Vorstieg inzwischen mir überlassen und auch die Italiener orientierten sich an uns. Ich folgte meinem Instinkt und kletterte im Nebel nach oben.

Immer wieder fand ich einige Nägel oder gefädelte Sanduhren, die mir bestätigten, dass ich hier nicht der erste bin. Die Kletterei war äußerst schwierig und ich hoffte stark, nicht wieder in eine Sackgasse zu landen. Lange zwingende Runouts im brüchigen Fels ließen mich zweifeln. Doch mir gelang es immer wieder einen Weg zu finden und so erreichte ich einen homogenen Riss, der durch die steile Headwall zum Gipfel zu führen schien. Nach einem weiteren ungemütlichen Hängestand wurde die Wand endlich flacher und plötzlich stand ich direkt am Gipfel. Froh es geschafft zu haben, gratulierten wir uns und gönnten uns eine kurze Pause. Nach 14,5 Stunden in der Wand war es nun bereits 19:30.

Ohne viel Zeit zu verlieren, folgten wir dem Grat zur Seilbahnstation. Ein eisiger Wind pfiff uns um die Ohren. Wir hängten uns ans Seil und rannten die Skipiste entlang, bis sich der Nebel lockerte. Da wir das Fahrrad am westlichen Stausee versteckt hatten, mussten wir noch den Gletscher queren und so kamen wir nach eineinhalb Stunden am Parkplatz an. Filip startete mit dem Rad ins Tal und kehrte nach 45 Minuten mit dem Auto zurück. Müde und durchgefroren freute ich mich auf Zuhause und war froh, meine ersten Erfahrungen in der Marmolada Südwand gemacht zu haben.

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„Attacke“ (8a) Schlern Mumelterkopf https://patricktirler.com/attacke-schlern-mumelterkopf https://patricktirler.com/attacke-schlern-mumelterkopf#respond Fri, 10 Jul 2020 14:46:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=22 "Attacke"

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2017 – Der Anfang

Es war Anfang Juni und die alljährlichen Italienmeisterschaften in Arco waren voll im Laufen, als uns die schreckliche Nachricht vom tödlichen Lawinenunglück am Großglockner erreichte. Manuel Jaider, mein langjähriger Klettertrainer bei „Klettern Schlern“ und Kletterpartner, verlor dabei sein junges und fröhliches Leben. Sofort brannte sich in mir der Gedanke ein, für Manuel und Bernhard als Dank für die unzähligen Trainingseinheiten und die vielen alpinen Abenteuern eine neue Route zu eröffnen. Die Mumelterkopfwand am Schlern war mir dafür steil genug und so dauerte es nicht lange, bis ich zusammen mit meinem Vater Hans jede Menge Material auf den Schlern schleppte, um die ersten Vorbereitungen zu treffen.

Einige Wochen später kehrten wir zurück zum Einstieg, um die erste Seillänge zu klettern. Mit dem neugekauften Cliff wusste ich damals noch nicht viel anzufangen, deshalb bohrte ich alles aus der Kletterstellung ein und konnte mir kaum vorstellen, in der darüber liegenden, deutlich steileren Wand weiterzumachen. Doch Aufgeben kam nicht in Frage und so wartete ich auf den nächsten Sommer, mit dem festen Vorsatz, die Route im nächsten Jahr fertigzustellen.

Während dem Durchstiegsversuch in der dritten Seillänge (7b+)

2018 – Die Vision

Es waren vor allem Tage, an denen sich kein Kletterpartner finden ließ, sodass ich alleine und völlig in Gedanken versunken, den mühsamen Aufstieg bewältigte, um anschließend an den Fixseilen abzuseilen und an meiner Route weiterzuarbeiten. Es war ein eigenartiges Gefühl, in totaler Einsamkeit gegen die Steilheit der Wand anzukämpfen. Eine merkwürdige Kraft trieb mich dabei an und Manuel und Bernhard waren in meinem Kopf so präsent wie nie zuvor. Es war bereits spät im Sommer, als ich endlich mit dem Stand der ersten Seillänge zusammentraf und die Route als beendet erklären konnte.

Ich hatte keine genauen Vorstellungen von der möglichen Schwierigkeit, doch ich wusste, dass es keine einfache Route geworden ist. Noch im Herbst wagte ich zusammen mit meinem Onkel Moritz einen ersten Freikletterversuch im dichten Nebel. Ich staunte nicht schlecht, als ich die weiten Hakenabstände in der ersten Seillänge feststellte, denn ich hatte sie etwas anders in Erinnerung. Auch die erste schwere Seillänge überraschte mich, denn die beim Einbohren abgetasteten Leisten waren kleiner als gedacht. Nach kurzem Putzen und Ausbouldern schaffte ich auch die Einzelzüge der darauffolgenden Seillänge. Der Nebel hatte sich inzwischen ein wenig gelockert und wir bemerkten, dass der Rest der Wand vollständig nass war. So entschieden wir uns für einen Rückzug und fixierten das Trainingsziel für den nächsten Sommer.

In der vierten Seillänge (7b+)

2019 – Geduld

Ich fühlte mich bereit für den Durchstieg und war überzeugt, dass es in diesem Jahr klappen wird. Anfangs noch geduldig und dann immer genervter musste ich jedoch Woche für Woche abwarten, da es fast jedes Wochenende oder wenige Tage davor regnete und die Route in ein Schwimmbad verwandelte. An den wenigen Tagen mit trockenen Bedingungen musste ich entweder arbeiten oder ich fand niemanden, der mich begleiten konnte. So waren die Sommerferien fast zu Ende, als ich einen Versuch mit Elisabeth Lardschneider starten konnte. Ein Durchstieg war jedoch noch weit entfernt und ein weiterer Versuch ging sich in diesem Jahr nicht mehr aus. Der Winter brach herein und ich freute mich auf das nächste Jahr.

Die nasse sechste Seillänge (7b+)

2020 – Der Durchstieg

Nach einem intensiven Trainingsjahr fühlte ich mich fitter als je zuvor. Nach dem Abschluss der Matura hatte die erste freie Begehung meines nun 3 Jahre alten Projekts höchste Priorität. So kehrte ich, einige Tage nachdem ich meine erste 8c geklettert war, mit neuer Motivation zurück zum Schlern. Ich seilte mich ab und boulderte die Schlüsselstellen nochmals aus. Ich fand etwas leichtere Lösungen und konnte mir erstmals vorstellen, einen ernsthaften Durchstiegsversuch zu starten. Mein Vater hatte mir bereits zugesagt, mich, bewaffnet mit Jumar und Trittleiter, zu begleiten.

So kam es, dass wir am 10. Juli bei warmen Sommerwetter vor der ersten Schlüsselseillänge standen. Mit gutem Gefühl überwand ich die erste Schwierigkeit. Auch die nächste Seillänge über die zwei markanten Dächer auf bestem Fels ging ohne Probleme. Alles fühlte sich sehr viel leichter an, als die vergangenen Jahre. Die nächsten zwei Seillängen waren komplett nass, doch ich schreckte nicht zurück und kämpfte mich mit nassen Händen zum Band vor dem großen Überhang.

Dort legten wir eine etwas längere Pause ein, um die bereits ein wenig ermüdeten Arme zu erholen. Ich dachte an Manuel und Bernhard und konnte sie beinahe hören, wie sie ihren Athlet anfeuern. „Attacke“ war eines der Lieblingsworte Manuels und weckt heute noch viele Erinnerungen unter den Kletterern, die ihn kannten.

Konzentriert kletterte ich die ersten schwierigen Züge zur Schlüsselstelle. Mit eisernen Willen schraubte ich die Leisten zu und kletterte über den steilsten Teil der Wand. Vor dem letzten Zug zum rettenden Henkel spürte ich, dass die notwendige Spannung im rechten Oberarm fehlt. Mit letzter Kraft und mit einem lauten Schrei schnappte ich in den Henkel und blieb entgegen aller Erwartungen hängen. Unglaublich erleichtert schüttelte ich kurz meine müden Arme und kletterte über perfekte Henkellöcher die letzten Meter zum Stand. Wenig später erreichten wir den Gipfel des Mumelterkopfs, der sich in den letzten Jahren zu einem meiner Lieblingsplätze entwickelt hatte, und waren glücklich darüber, eine Erinnnerungsroute an zwei Freunde, die viel zu meinen Kletterleben beigetragen haben, vollendet zu haben.

Die Schlüsselseillänge kurz vorm Gipfel (8a)

Danke an Elisabeth, Hans und Moritz Tirler für die Begleitung, Verena und Erich von der Schlernbödelehütte für die Unterstützung und dem AVS für die Bohrhaken!

Auf dem Gipfel

Zustieg: Vom Parkplatz Bad Ratzes zur Schlernbödelehütte. Von dort weiter über den Gamssteig in Richtung Schlern. Der Einstieg befindet sich direkt am Gamssteig und ist mit einer weißen Schlinge an einer Sanduhr markiert. Die Wand ist bereits vom Parkplatz und von der Schlernbödelehütte gut ersichtlich. (1h 40min)

Absicherung: Alle Stände und Zwischensicherungen sind mit Bohrhaken versehen

Material: 14 Expressschlingen

Abstieg: Vom Gipfel den Osthang des Mumelterkopfs über steile Wiesen queren und anschließend auf das Schlern-Plateau aufsteigen. Über die Wiesen nach Osten gehen und über den Gamssteig absteigen.

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„Alpenliebe“ (7b+) Westliche Zinne https://patricktirler.com/alpenliebe-7b-westliche-zinne https://patricktirler.com/alpenliebe-7b-westliche-zinne#respond Sun, 05 Jul 2020 19:29:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=110 Drei Zinnen (Westliche Zinne) – 05.07.2020 – mit Elisabeth Lardschneider Nach einem gemütlichen Sportklettertag in der Stube in Landro fuhren wir mit dem letzten Bus vom Dürensee zur Auronzohütte. Dort schleppten wir unser ganzes Gepäck auf die Nordseite der Drei Zinnen wo wir bei den Seen am Ursprung der Rienz unser Lager aufschlugen. Als die […]

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Drei Zinnen (Westliche Zinne) – 05.07.2020mit Elisabeth Lardschneider

Nach einem gemütlichen Sportklettertag in der Stube in Landro fuhren wir mit dem letzten Bus vom Dürensee zur Auronzohütte. Dort schleppten wir unser ganzes Gepäck auf die Nordseite der Drei Zinnen wo wir bei den Seen am Ursprung der Rienz unser Lager aufschlugen. Als die letzten Touristen verschwanden und der Sonnenuntergang einsetzte, warfen wir unseren Gaskocher an, um das Nudelwasser zu erhitzten.

Die Nordwände der Drei Zinnen haben sich inzwischen rötlich gefärbt, als wir mit Schrecken feststellten, dass der Gaskocher, kurz bevor das Wasser anfing zu kochen, den Geist aufgab. Zum Glück hatten wir noch viele selbstgemachte Müsliriegel, die zusammen mit einigen Karotten, einer Gurke, Schüttelbrot und den kalten Tomatensugo mit Thunfisch unseren Hunger stillten. Es schmeckte absolut widerlich und noch heute dreht es mir den Magen um, wenn ich daran denke. Aber wir hatten keine andere Wahl. Bereits um 10 Uhr verkrochen wir uns im Schlafsack in unserem Zelt, denn der Wecker war scharf und die Nacht sollte nicht lange dauern.

Um 3:30 riss uns ein Klingeln aus dem Schlaf. Alles war feucht und bei jeder Berührung mit der Zeltwand tropfte Wasser ins Innere. Noch im Schlafsack frühstückten wir unser Müsli mit Trinkjoghurt. Es dauerte schließlich fast 45min bis alles im Rucksack verstaut war und wir im Licht des Vollmondes zum Sattel aufsteigen konnten. Dort holten wir die am Vortag deponierten Seile und versteckten unsere Rücksäcke.

Während dem Aufstieg zum Einstieg der Nordwände ging die Sonne auf und verwandelte den Horizont in einen wunderschönen Anblick. Um 5:30 stieg ich unaufgewärmt in die erste Seillänge ein. Wir kletterten mit einem 60m Einfachseil und zogen den Rucksack mit einem gleichlangen Halbseil nach. Die Taktik funktionierte perfekt und wir gewöhnten uns schnell wieder an den speziellen Zinnenfels.

Nach zwei Seillängen übergab ich den Vorstieg an Elisabeth, die die nächsten vier Seillängen führen wird. Bereits den Tag zuvor haben wir das Topo genau studiert und eine Taktik festgelegt, um die Wechsel der Führungsrolle so effizient wie möglich zu gestalten. Inzwischen ist eine weitere Seilschaft unter uns eingestiegen und wunderte sich ebenso wie wir, noch jemand in der Route vorzufinden.

Nach einer luftigen Seillänge um das markante Dreiecksdach vorbei quert die erste Schlüssellänge weit nach rechts. Die Griffe waren alle weiß und so hatten wir keine großen Schwierigkeiten. Ohne lange Pause nahm ich die Führung wieder in die Hand und kletterte die darauffolgende, etwas leichtere Länge. Ich spürte bereits meine müden Arme, doch ich stürzte mich ohne zu Zögern in die nächste schwere Seillänge. Kleine Leisten und technische, leicht überhängende Kletterei taugten mir perfekt und so erreichte ich mit Freude den Stand vor der Schlüsselseillänge.

Unser Zeitplan war sehr knapp, da wir den letzten Bus von der Auronzohütte um 17:37 schaffen wollten. Daher war uns keine Pause vergönnt und ich stieg in den steilen Quergang ein. Trotz leichten Krämpfen in den Unterarmen kletterte ich alle schweren Züge und schaffte es zu einem rettenden Henkel. Die folgenden Züge schauten nicht allzu schwer aus, doch ich konnte mich nur schwer erholen. Nach kurzen Rasten setzte ich zum Endspurt an. Es war bereits zu spät, zurück zum Henkel zu klettern, als ein Krampf meinen leicht gepumpten Unterarm durchzuckte. Ich fühlte, dass ich die relativ gute Leiste in meiner rechten Hand nicht mehr lange halten konnte und beschloss das saubere Stellen der Füße zu vernachlässigen und eilig mit Links auf eine Leiste zu schnappen, um die Rechte zu entlasten. Doch die Kraft war bereits aufgebraucht und ich konnte den Schwung mit der Linken nicht mehr abfangen. Mit einem lauten Schrei flog ich ins Leere. Wütend über meine falsche Entscheidung und über mein Scheitern zog ich mich hinauf und eilte zum Stand.

Aufgrund zwei irreführender Nägel verstieg sich Elisabeth in der nächsten Seillänge und musste so ganze 30m wieder abklettern. Dank diesem Zeitverlust holten uns die zwei Vingscher hinter uns ein. Nach einer kurzen Unterhaltung fragte ich sie, ob sie noch zwei Plätze im Auto für uns freihätten und sie boten uns an, uns bis nach Klausen mitzunehmen. Wir freuten uns, denn den Bus hätten wir auf keinen Fall noch geschafft.

In den nächsten Längen nahmen wir wieder Fahrt auf und gewannen schnell an Höhe. Ohne Lust lange den richtigen Weg zu suchen, kletterte ich eine halbnasse Verschneidung hinauf ein Band auf den ich einen improvisierten Stand errichten konnte. Von dort aus konnte man gemütlich nach rechts zum Band der Westlichen Zinne queren. Nach 10h30min waren wir froh, unser noch verbleibendes Proviant zu essen.

Ich machte mich anschließend alleine auf den Weg zum Gipfel, um dort eine Nachricht an die Vingscher im Gipfelbuch zu hinterlassen. Wir mussten noch unser Gepäck auf der Nordseite holen, weshalb wir nicht auf sie warteten und über die Nordrinne zwischen der Großen und Westlichen Zinne abstiegen. Die Rinne war komplett mit Schnee gefüllt. Ich seilte Elisabeth einmal 60m ab und rutschte hinterher. Nach einem anstrengenden Fußmarsch zum Sattel, wo wir unsere Kletterausrüstung zu dem restlichen Material in den Rucksäcken verstauten, schleppten wir uns zum Parkplatz.

Unsicher, ob die Vingscher noch beim Abstieg sind oder bereits gefahren sind, versuchten wir über einen Freund (Fe), den die beiden kannten, deren Nummer herauszufinden. Doch nach längeren Warten tauchten sie plötzlich auf und wir konnten beruhigt nach Hause fahren. Erst beim Pizzaessen bemerkten sie unsere Nachrichten und Anrufe in Abwesenheit, doch wir waren froh, dass wir uns eine weitere Nacht bei den Zinnen ersparen konnten.

Bewertungsvorschlag: 7a, 6c, 6c+, 6a, 6c, 7b, 6c, 7b, 7b+, 6c, 6c+, 7…

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„Serac“ Zebrù Nordwand https://patricktirler.com/zebru-nordwand-serac https://patricktirler.com/zebru-nordwand-serac#respond Sun, 31 May 2020 18:27:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=259 31.05.2020 – mit Lukas Erlacher Es war 4 Uhr morgens, als wir am Parkplatz in Sulden unsere E-Bikes bereit machten, um dann in Richtung Schaubachhütte zu fahren. Trotz Unterstützung des Elektromotors im Turbo-Modus war die Fahrt, über die teils sehr steile Straße, anstrengender als erwartet. Allerdings waren wir schnell und so erreichten wir um 6:00 […]

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31.05.2020mit Lukas Erlacher

Es war 4 Uhr morgens, als wir am Parkplatz in Sulden unsere E-Bikes bereit machten, um dann in Richtung Schaubachhütte zu fahren. Trotz Unterstützung des Elektromotors im Turbo-Modus war die Fahrt, über die teils sehr steile Straße, anstrengender als erwartet. Allerdings waren wir schnell und so erreichten wir um 6:00 den Einstieg der Zebrù Nordwand auf ca. 2900m. Der leichte Schneefall hatte aufgehört und es war bereits hell. Das Eis war weich und die ersten Sonnenstrahlen durchbrachen die Wolkenschicht am Horizont. Der Gipfel war jedoch noch in Wolken verhüllt.

Zügig kletterten wir die ersten zwei Seillängen, die uns direkt neben dem Serac hinführten. Mächtig türmten die Eistürme des Gletscherabbruchs, nur wenige Meter neben meinem, mit den Pickeln improvisierten, Standplatz im Firn. Über ein Firnfeld kletterten wir den Wolken entgegen. Wir blieben angeseilt und gewannen kontinuierlich an Höhe mit langen Seillängen im Parallelmodus. Immer wieder fanden wir Risse an naheliegenden Felsblöcken, in denen wir Friends oder Haken platzieren konnten. Ab und zu stießen wir auf vereiste Felsstufen oder von Felsen durchsetztes Gelände. Wir waren froh, das Seil noch nicht in den Rucksack verstaut zu haben. Inzwischen befanden wir uns komplett im Nebel und nur selten riss die Sonne die Wolkendecke auf.

Gegen 11 Uhr erreichten wir den Gipfelgrat. Ohne Pause folgten wir dem Grat in Richtung des Gipfels, höchst konzentriert und ständig gefasst auf einen Sprung in die andere Seite des Grats, um einen Seilschaftsabsturz zu verhindern. Die Sicht war mittlerweile extrem schlecht. Es war kalt und das Gelände war schwierig. Ohne, dass wir es bemerkten, mussten wir den Gipfel passiert haben. Über ein steiles und von Felsen durchsetztes Gelände querten wir den Hang. Nur aufgrund unseres GPS-Signals auf unserem Handy konnten wir uns einigermaßen orientieren. Plötzlich stießen wir auf Gletschereis. Froh darüber endlich wieder an einer verlässlichen Sicherung zu hängen, klettern wir seitwärts über das Blankeis. Dahinter schien ein Weg nach unten endlich möglich. Rückwärts abkletternd verloren wir langsam an Höhe.

Das Gelände wurde flacher und wir gingen völlig blind, unserem Bauchgefühl folgend, nach unten. Als wir plötzlich auf einen Hügel standen, glaubten wir erstmals wieder einen neuen Anhaltspunkt auf unserer Karte zu haben. Wir lagen richtig, denn in diesem Moment riss der Nebel auf und wir konnten nur wenige 100 m neben uns das Biwak erkennen.

Wir gönnten uns unsere erste Pause und ich verdrückte einen Riegel. Einen Blick nach oben zeigte uns wo wir gerade abgestiegen sind. Wir gingen am Biwak vorbei und begannen das dahinterliegende Firnfeld rückwärts abzuklettern. Es ging schnell, allerdings erschien es unendlich lang. Als wir endlich den Gletscherboden erreichten, konnten wir es kaum erwarten die Steigeisen und das Material am Gurt loszuwerden. Das Brot war noch gefroren, doch der Tee war warm. Der Abstieg dürfte nun, dank unserer E-Bikes, die am Ende des Gletschers auf uns warten, nicht mehr lange dauern. Doch das sollte uns täuschen, zumindest Lukas.

Am E-Bike angekommen bemerkte Lukas mit großem Schreck, dass sein Vorderrad einen totalen Platten hatte. Ich lud beide Rucksäcke auf mir und ließ Lukas, der nun sein Rad ins Tal schieben musste, zurück. Nach etwas Warten beim Auto kam auch er und wir konnten müde und zufrieden die Heimfahrt antreten.

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„Kaffeer“ (VII) Oman – Al Khumaira Wall https://patricktirler.com/kaffeer-oman-al-khumaira-wall https://patricktirler.com/kaffeer-oman-al-khumaira-wall#respond Wed, 26 Feb 2020 16:30:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=41 Oman – Jebel Kawr – Al Khumaira Wall – 26.02.2020 – mit Martin Dejori und Florian Gufler Es war der letzte Klettertag unserer Kletterreise nach Oman, als Martin, Florian und ich am Wandfuß des Jebel Kawr standen. Ziel des heutigen Tages war die Route „Fortune Teller”, welche vor kurzem von Simon Messner und Martin Sieberer […]

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Oman – Jebel Kawr – Al Khumaira Wall – 26.02.2020 – mit Martin Dejori und Florian Gufler

Es war der letzte Klettertag unserer Kletterreise nach Oman, als Martin, Florian und ich am Wandfuß des Jebel Kawr standen. Ziel des heutigen Tages war die Route „Fortune Teller”, welche vor kurzem von Simon Messner und Martin Sieberer erstbegangen wurde. Mit dabei Judith und Janluca, welche sich als eigenständige Seilschaft bewegten.

Die ersten Seillängen zum großen Band, über dem die Wand an Steilheit gewinnt, bewältigen wir schnell und ohne Probleme. Florian an der Spitze gibt das Tempo an. Immer wieder schweifen unsere Blicke zu den markanten Rissen und Verschneidungen links unserer Route. Erst nach der 3. Seillänge spricht Martin schließlich den Gedanken aus, doch eine neue Variante zu versuchen. Begeistert von diesem Vorschlag erblicken wir links über uns eine Verschneidung, die nach mehreren Metern abrupt an einem Dachvorsprung endet. In der Mitte der Verschneidung verläuft ein leichter Riss, der jedoch zum Großteil verschlossen wirkt. Der darüberliegende steile und abweisende Wandbereich wirkt auf uns sehr einladend.

So übernehme ich die Seilführung und beginne langsam die Verschneidung emporzuklettern. Der Riss lässt sich überraschend gut von lockerem Material befreien, sodass er einige Friends zur Absicherung aufnimmt. Am Dachvorsprung angelangt bietet sich die Möglichkeit nach rechts auszuweichen, die ich dankend annehme und somit die Verschneidung mit einem kräftigen Zug verlassen kann. Kurz bevor sich das Seil zum Ende neigt, gelingt es mir einen verlässlichen Stand zu bauen. In der nächsten Seillänge drängt uns die Kompaktheit des Felses weit nach links über eine schwer abzusichernde Platte, bis ich zu einem Riss unter einem Dach flüchten kann. Dort übernimmt Martin die Führung, der voll motiviert auf die Dächer zuklettert und sich ohne zu zögern locker darüber schwingt. Eine wechselhafte Kombination von Rissen, kompakten Platten und Verschneidungen weist uns einen klaren Weg nach oben. Die Wand wird flacher, doch die Felsqualität nimmt keineswegs ab. Der Ausstieg scheint nah, als Florian Martin ablöst und mit seinen blutigen Fingern den Weg über scharfe Platten nach oben sucht. Nach zwei weiteren Seillängen erreichen wir den Gipfel und können auf eine schöne neue Route zurückblicken.

Am nächsten Morgen beim Frühstück hatte der Kaffee ein besonderes Aroma. Als alle Tassen voll waren und die Kaffeemokka leer war, bemerkten wir einen riesigen verkohlten Käfer in der leeren Mokka. Anscheinend hat der „Kaffeer“ aber allen geschmeckt, denn der Käfer durfte auch noch bei der zweiten Runde drinnen bleiben. Als Dank für den guten Kaffee widmen wir ihm unsere Erstbegehung.

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Routeninformationen:

Kaffeer – VII (obl.)

7 Seillängen + 3Sl von der Route „Fortune Teller” vom Band weg

Absicherung: total clean, einige Haken zum Standplatzbau vom Vorteil

Sehr abwechslungsreiche Route auf gutem bis perfektem Fels!

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„Heiße Liebe, eiskalt erwischt!“ (IX-) Santner https://patricktirler.com/heisse-liebe-eiskalt-erwischt-ix-santner https://patricktirler.com/heisse-liebe-eiskalt-erwischt-ix-santner#respond Tue, 03 Sep 2019 17:58:00 +0000 https://patricktirler.com/?p=68 Santnerbauchpfeiler – 03.09.2020 – mit Felix Kiem Die Sommerferien neigten sich dem Ende zu. Die Sommerarbeit hatte ich schon vor einigen Wochen beendet. Es gab kaum einen Tag in den letzten Wochen wo ich nicht klettern war. Dementsprechend war auch meine klettermäßige Form. In zwei Tagen beginnt die Schule und ich will diese Tage noch […]

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Santnerbauchpfeiler – 03.09.2020 – mit Felix Kiem

Die Sommerferien neigten sich dem Ende zu. Die Sommerarbeit hatte ich schon vor einigen Wochen beendet. Es gab kaum einen Tag in den letzten Wochen wo ich nicht klettern war. Dementsprechend war auch meine klettermäßige Form. In zwei Tagen beginnt die Schule und ich will diese Tage noch so gut wie möglich ausnutzen. Nach einem Regentag in Franchi-Landro suchte ich einen Partner zum Alpinklettern. Ich hatte schon lange eine gewisse Idee im Kopf. Vor einigen Wochen kletterte ich mit meinem Onkel Moritz eine vom ihm vor einigen Jahren erstbegangene Tour in der Santner Nordwand. Dort fiel mir ein markanter feiner Riss auf, der gerade durch einen leicht überhängenden Wandbereich verläuft. Ich wusste, dass es einige Meter daneben eine Tour aus dem Jahr 2005 von Florian Riegler und Moritz Tirler gibt. Mit sieben Seillängen bis 9- führt sie auf dem Pfeilerkopf auf der Nord-Westkante. Ich setzte mir das Ziel die Route zu klettern und den Riss daneben auszukundschaften. Es war nicht leicht einen Partner für diese Route zu finden. Schließlich konnte ich meinen Sportkletterfreund Felix Kiem, der vor einigen Tagen einen Alpinkletterkurs vollzogen hat, überreden.

Am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite und auch ein Nachmittagsgewitter schien laut der Wettervorhersage unwahrscheinlich. Da Felix mit Zug und Bus aus Meran ankam, erreichten wir erst relativ spät den Einstieg. Die erste Seillänge führte uns durch Latschen und Grasbüschel auf ein Band. Felix fühlte sich bereit für die kommende Seillänge und so stieg er mit Friends bewaffnet in die mit Rissen durchzogene senkrechte Wand. Er bewältigte die durchaus anspruchsvolle Seillänge und baute nach einem Quergang auf einen großen Felskopf Stand. Die erste Schlüssellänge lag nun vor uns.

Eine steile glatte Wand, mit Löcher versehen, baut sich vor uns auf. In der Mitte der Wand steckte ein Haken, doch dazwischen war ein Absichern kaum vorstellbar. Vorsichtig begann ich zu klettern und konnte glücklicherweise 5m ober dem Stand zwei Friends auf gleicher Höhe platzieren, die wohl beide einzeln einen Sturz aufgehalten hätten. Nach einigen unsicheren Zügen auf offenen Löchern sah ich die Möglichkeit für einen weiteren Friend, jedoch bei weitem nicht so gut wie die vorigen. Die Tritte waren schlecht und die Griffe ebenso. Ruckartig zog ich am Friend, um ihn zu testen und schon hielt ich ihn in der Hand. Der Aufleger in meiner linken Hand konnte den Schwung nicht abfangen und nach einem kurzen und gut gedämpften Flug befand ich mich auf gleicher Höhe mit Felix. Erschrocken bemerkte ich, dass er gute 2m ober den Felskopf mit dem ganzen Standplatz am Gurt hängte. Sofort seilten wir uns ab, verstärkten den Stand und starteten einen neuen Versuch. Nach zwei langen Run-outs und einer schwierigen Stelle erreichte ich den Stand.

Von dort führte eine lange Seillänge im 5. Grad bis zum Band vor der Schlüsselstelle. Langsam kletterte Felix durch das brüchige und extrem schwierig abzusichernde Gelände. Beim Nachklettern wurde mir bewusst wie gefährlich diese Länge war, denn wohl kaum eine Zwischensicherung hätte einen Sturz gehalten und der Stand darunter war auch nicht bombe.

Nach einer kurzen Pause nahm ich die kommende Verschneidung im Angriff. Ein kurzer Boulder über einen Bauch mit drei Haken führt mich in eine überhängende Verschneidung, wo ich meinen kleinsten Friend versenken konnte. Es fiel mir schwer ihm zu vertrauen, doch ich schaffte es bis zum nächsten Stand. Dort übernahm wieder Felix, der jedoch nach langem Hin- und Herklettern aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten abbrechen musste. Zurück am Stand tauschten wir und ich eilte die nächsten Seillängen durch total cleanes und Santner-typisches Gelände auf den Pfeilerkopf.

Es war bereits spät am Nachmittag und wir suchten verzweifelt nach den Abseilständen. Es war uns unerklärlich, aber wir fanden sie nicht. Mit viel Glück und einigen Materialverlusten fanden wir von Sanduhr zu Sanduhr den Weg nach unten. Als wir am Boden ankamen, stellten wir mit Verzweiflung fest, dass sich das Seil trotz allen Anstrengungen nicht abziehen lässt. Mit letzter Hoffnung hängten wir uns ein Ende an den Gurt und liefen mit Anlauf den Hang runter und schmissen uns in das gespannte Seil hinein. Plötzlich gab das Seil nach und wir purzelten mit dem Seil die Wiese runter. Alles ging gut und wir nahmen den Sprint zum Parkplatz auf, um den letzten Bus für Felix noch zu schaffen.

Total fertig kann ich auf eine gelungene Tour und auf ein schönes Abenteuer zurückblicken mit einigen gefährlichen Momenten, die mir eine Lehre für die kommenden Unternehmungen sein werden. Den Riss, den ich eigentlich auskundschaften wollte, werde ich wohl direkt versuchen müssen, denn in der ganzen Aufregung habe ich ihn total vergessen.

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